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26.07.2017

11:05 Uhr

Kommentar zu EZB-Chef Mario Draghi

Der entzauberte Zauberlehrling

VonDaniel Schäfer

PremiumEZB-Chef Mario Draghi hat einst die Märkte gezähmt und damit eine Katastrophe verhindert. Doch jetzt ist er ihr Getriebener – und hat enorme Kollateralschäden angerichtet. Ein Kommentar.

Als Super-Mario hat er die Euro-Zone gerettet, aber zu welchem Preis? dpa

EZB-Präsident Draghi

Als Super-Mario hat er die Euro-Zone gerettet, aber zu welchem Preis?

Es waren die drei wirkungsvollsten Worte, die ein Notenbanker jemals ausgesprochen hat: Mit seiner „Whatever it takes“-Rede hat Mario Draghi vor fünf Jahren der Euro-Krise ein abruptes Ende bereitet. Ein einziger Satz des Präsidenten der Europäischen Zentralbank führte damals zur großen Wende: Die panische Angst der Investoren vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone, sie war wie weggewischt. Die zuvor rasant gestiegenen Staatsanleihezinsen der Südländer gingen wieder zurück, der Euro stabilisierte sich, und die Börse frohlockte.

Als Super-Mario gefeiert, hat Draghi eine Katastrophe verhindert. Doch zu welchem Preis? Draghis in die Geschichtsbücher eingegangene Rede im prunkvollen Londoner Lancaster House erinnert an Goethes...

Kommentare (3)

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Frau Edelgard Kah

26.07.2017, 12:02 Uhr

Sehr geehrter Herr Schäfer,

es ist ja alles richtig, was Sie schreiben. Es ist richtig, dass Draghi ein Auseinanderbrechen der Eurozone verhindert und mit seiner lockeren Geldpolitik einen starken Konjunkturaufschwung in den EU-Ländern in Gang gebracht hat. Es ist richtig, dass die Nullzinspolitik die Sparer enteignet und stark steigende Vermögenspreise herbeigeführt hat. Und es ist auch richtig, dass die Rückführung der ultralockeren Geldpolitik sehr leicht zu einer neuen Finanzkrise und sogar zu einer Rezession führen kann.

Meine Kritik entzündet sich an Ihrem Tunnelblick. Sie betrachten ausschließlich die Geldpolitik und erwecken damit den irrigen Eindruck, sie sei das einzige Instrument zur Steuerung der Wirtschaft und verantwortlich für alles.

Wahrscheinlich auch verantwortlich dafür, dass die meisten EU-Länder keine Reformen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit durchgeführt haben und 10 Jahre nach der Finanzkrise weiterhin mit hoher Arbeitslosigkeit gestraft sind. Wahrscheinlich ist Draghis Geldpolitik auch dafür verantwortlich, dass viele EU-Länder die Nullzins-Politik und Milliarden eingesparter Zinsen dazu genutzt haben, den Wohlfahrtsstaat noch weiter auszubauen. Wahrscheinlich ist Draghi auch dafür verantwortlich, dass viele EU-Länder Jahr für Jahr ihren Schuldenberg noch höher aufgetürmt haben. Und als Italiener ist Draghi wahrscheinlich auch dafür verantwortlich, dass Italien bereits an der Grenze seiner Schuldentragfähigkeit operiert und wahrscheinlich keinen großen Zinsanstieg erträgt.

Herr Hubert Anderl

26.07.2017, 14:03 Uhr

Sehr geehrte Frau Kah,
das haben Sie alles richtig erkannt.
Sie sind offensichtlich auch etwas kundig.
Ich möchte auf das Tinbergen-Prinzip verweisen.
Bei der Definition der Ziele der EZB kam das nach dem Nobelpreisträger Jan Tinbergen benannte Prinzip zur Anwendung, wonach

einer Instituition nur die Ziele vorgegeben werden sollen, die sie mit denen ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten (= Geldpolitik) auch erreichen kann.

Ziel, die Preisstabilität zu sichern, kann die EZB durch den Leitzins und ihr Liquiditätsmanagement erreichen.

Ziele wie Beschäftigung, Strukturreformen, angemessenes Wirtschaftswachstum kann die Zentralbank nur unterstützen, nicht aber erreichen, da sie hierfür nicht die geeigneten Politikinstrumente zur Verfügung hat.
Dies ist die Aufgabe der nationalen Wirtschaftspolitik u.a. durch eine Konjunkturpolitik.
Die EZB hat dazu beigetragen, dass weiterhin Fehlsteuerungen erfolgen, dass weiterhin Schulden mit Schulden finanziert werden, dass man den Euro rettet, aber nicht die Bürger,...
Es tut mir leid, aber soviel Unvernunft ist kaum erträglich!

Herr Hubert Anderl

26.07.2017, 14:03 Uhr

Sehr geehrte Frau Kah,
das haben Sie alles richtig erkannt.
Sie sind offensichtlich auch etwas kundig.
Ich möchte auf das Tinbergen-Prinzip verweisen.
Bei der Definition der Ziele der EZB kam das nach dem Nobelpreisträger Jan Tinbergen benannte Prinzip zur Anwendung, wonach

einer Instituition nur die Ziele vorgegeben werden sollen, die sie mit denen ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten (= Geldpolitik) auch erreichen kann.

Ziel, die Preisstabilität zu sichern, kann die EZB durch den Leitzins und ihr Liquiditätsmanagement erreichen.

Ziele wie Beschäftigung, Strukturreformen, angemessenes Wirtschaftswachstum kann die Zentralbank nur unterstützen, nicht aber erreichen, da sie hierfür nicht die geeigneten Politikinstrumente zur Verfügung hat.
Dies ist die Aufgabe der nationalen Wirtschaftspolitik u.a. durch eine Konjunkturpolitik.
Die EZB hat dazu beigetragen, dass weiterhin Fehlsteuerungen erfolgen, dass weiterhin Schulden mit Schulden finanziert werden, dass man den Euro rettet, aber nicht die Bürger,...
Es tut mir leid, aber soviel Unvernunft ist kaum erträglich!

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