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25.07.2017

13:32 Uhr

Expertenrat – Gregor Gysi

Erdogan die Freundschaft kündigen

VonGregor Gysi

PremiumErdogan tritt Demokratie und Menschenrechte mit Füßen. Die Bundesregierung muss endlich deutlich machen, dass sein Regime kein Partner sein kann – auch um die Freundschaft mit den Türken aufrechterhalten zu können.

Von nun an besser getrennte Wege. Reuters

Merkel und Erdogan auf dem G20-Gipfel

Von nun an besser getrennte Wege.

Es war ein beeindruckendes Bild, als sich Anfang Juli bei der Abschlusskundgebung der türkischen Oppositionspartei CHP über eine Million Menschen in Istanbul zusammenfanden und für eine andere, demokratische, rechtsstaatliche, säkulare Türkei demonstrierten. Zwar konnten die meisten gewählten Abgeordneten der kurdischen HDP und auch einige CHP-Politiker an diesem Marsch für Gerechtigkeit nicht teilnehmen, weil sie unter fadenscheinigen Vorwänden ins Gefängnis geworfen worden waren, umso deutlicher war aber das Signal an Präsident Erdogan, der die Türkei mit zunehmender Geschwindigkeit in eine islamistische Diktatur verwandelt.

Die Bundesregierung hätte spätestens diesen Protest zum Anlass nehmen müssen, um ihre Zurückhaltung gegenüber Erdogan aufzugeben und...

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

25.07.2017, 14:35 Uhr

Sehr geehrter Herr Gysi,

"Erdogan die Freundschaft kündigen"? Vom Grundsatz her stimme ich Ihnen zu. Aber vielleicht sollten wir ein klein wenig differenzieren.

Auf unserem Globus gibt es sehr viele Länder, die von autokratischen Herrschern regiert werden. Länder, in denen es keine Demokratie gibt, die die Menschenrechte mit Füßen treten, die Minderheiten verfolgen und umbringen. Wie sollen wir uns gegenüber solchen Ländern verhalten?

Dass wir sie nicht militärisch bekämpfen, versteht sich von selbst. Dass wir mit ihnen reden und Botschaften unterhalten, ist ebenfalls klar. Und wenn sie bar und mit harter Währung bezahlen, verkaufen wir ihnen auch unsere Autos. Aber mehr verbindet uns nicht.

"Keine Freundschaft" bedeutet in meinen Augen, dass man einander aus dem Wege geht. Dass man sich fern hält und sich gleichgültig ist. Diese Gleichgültigkeit verhindert, dass man eine ideologische Auseinandersetzung nach Art des Kalten Krieges führt. Sie führt auch dazu, dass man sich kritischer und feindseliger Taten und Worte enthält.

Nehmen Sie als Beispiel Ihr vorgeschlagenes Herausdrängen der Türkei aus der Nato. So lange die Türkei dem Bündnis nicht schadet, gibt es dafür keinen Grund. Dass wir grundlos bei anderen Ländern Wut und Verbitterung auslösen, wäre reine Dummheit. Wenn uns niemand etwas Böses tut, sollten wir ihm unser freundliches Gesicht zeigen.

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