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10.08.2017

12:58 Uhr

Expertenrat – Klaus Hansen

Das Gegenteil von Ehre

VonKlaus Hansen

PremiumVon kleinen Schummeleien bis hin zu Gesetzesverstößen: Ethisches Verhalten scheint in deutschen Firmen immer weniger wichtig. Wo ist der „ehrbare Kaufmann“ geblieben? Es ist Zeit für ein Umdenken.

Familienunternehmen als Vorbild. dpa

Autobosse Müller, Krüger und Zetsche

Familienunternehmen als Vorbild.

Fangfrage: Was hat das frühe Mittelalter mit 2017 zu tun? Viel! Um 1340 schrieb der Italiener Francesco Balducci Pegolotti seine „Practica della mercatura“, eine Art Bibel für Kaufleute. Darin heißt es: „Der Kaufmann, der Ansehen genießen will, muss immer gerecht handeln und immer seine Versprechen einhalten. Er soll aufrichtig sein beim Verkauf und keine Fehler begehen.“

Bis heute wird dieses Bild des „ehrbaren Kaufmanns“ hochgehalten. Die Industrie- und Handelskammern haben es in ihren Statuten verankert, die Wertekommission, die sich speziell an Fach- und Führungskräfte richtet, fordert es – und im Deutschen Corporate Governance Kodex heißt es neuerdings: „Gute Unternehmensführung zeichnet...

Kommentare (2)

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Herr Hubert Anderl

10.08.2017, 13:44 Uhr

"Besonders anfällig sind Gebilde, in denen die Eigentümer nicht in der Führung sitzen, ja praktisch nicht sichtbar sind. Entweder, weil sie sich nur einmal im Jahr auf eine Bockwurst bei der Hauptversammlung treffen oder sich mit den Ausschüttungen aus ihrem Erbe konzernfern zufrieden geben."
Ähnlich funktioniert es in der Politik!
Wenn der Unternehmenslenker, der Staatschef keine Sanktion zu fürchten haben, führt dies zum Missbrauch der Macht!
Auf staatlicher Ebene wäre dieses Instrument das Plebiszits, das im GG Art. 20 verankert ist.
Auf Ebene des Unternehmens, das nicht vom Eigentümer geführt wird, müsste das persönliche Haftungsrecht gelten, dann würden sich Manager auch eher das Prinzip des "Ehrbaren Kaufmanns" halten.

Frau Edelgard Kah

10.08.2017, 14:31 Uhr

Sehr geehrter Herr Hansen,

vor einigen Jahren war ich auf einer hochkarätig besetzten Diskussionsveranstaltung über Moral und Ethik in der Wirtschaft. Zunächst gab es eine Reihe von Statements, die ganz in Ihrem Sinne argumentierten. Danach trat der Vorsitzende eines prominenten Automobilkonzerns ans Mikrofon. Er erzählte von einem gnadenlosen Wettbewerb mit europäischen, amerikanischen und asiatischen Konzernen, der nur sehr wenig Raum für ethisches Verhalten lasse. Vielleicht gab es diesen gnadenlosen Wettbewerb zu Zeiten des hanseatischen Kaufmanns noch nicht.

Ich fange mit diesem Bild eines ehrbaren Kaufmanns ohnehin wenig an. Heute reden wir vom "Kundennutzen". Wie er tagtäglich mit Füßen getreten wird, sehen sie am eingebauten Verschleiß. Dass beispielsweise praktisch alle Waschmaschinen auf eine lächerlich geringe Zahl von Betriebsstunden ausgelegt werden, mag Betrug am Kunden sein.

Aber die Frage ist, wie wir all die vielen Hersteller zu einem ethischen Verhalten bringen wollen. Die mir bekannten Religionsstifter haben dies nicht geschafft. Aber vielleicht haben Sie eine größere Begabung?

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