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26.06.2016

16:59 Uhr

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart

Tief unten knistert die Angst

VonGabor Steingart

PremiumDas Erdbeben von London hat die europäischen Völker in Erregung versetzt. Überall kommt es zu Nachbeben. Das Establishment in Brüssel und Berlin setzt auf ein trotziges „Jetzt erst recht“. Das kann nicht gutgehen.

Der Ex-Londoner Bürgermeister und Brexit-Befürworter Boris Johnson weiß, wie man politische Sprengsätze zur Detonation bringt. Berndt Skott für Handelsbaltt

Angela Merkel, Boris Johnson

Der Ex-Londoner Bürgermeister und Brexit-Befürworter Boris Johnson weiß, wie man politische Sprengsätze zur Detonation bringt.

Stellen Sie sich vor, zur Wahl des neuen Bundespräsidenten sind die großen Staatsmänner der Volksparteien, Wolfgang Schäuble oder auch Frank-Walter Steinmeier, nicht mehr zugelassen. Rechte und Linke besitzen in der Bundesversammlung die Mehrheit, sie machen die Wahl unter sich aus. So etwas kann nicht passieren? Etwas sehr Ähnliches ist gerade in Österreich geschehen.

Stellen Sie sich vor, die Basis der konservativen Volksparteien CDU und CSU ist derart genervt von der eigenen Funktionärskaste, dass sie keinen Politiker für würdig befindet, in ihrem Namen zur Bundestagswahl anzutreten. Stattdessen erscheint ein dubioser Geschäftsmann auf den Plakaten, der nichts von Politik, aber viel vom...

Kommentare (2)

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Herr Matthias Moser

27.06.2016, 08:46 Uhr

Voll ins Schwarze getroffen!
Bitte riesig ausdrucken und vor dem Kanzleramt aufhängen.

Herr Siegfried Köb

27.06.2016, 09:44 Uhr

Sehr geehrter Herr Steingart

Letztlich brachten sie uns als Leser das Zitat von Tucholsky näher (sinngemäß): "Das Volk versteht falsch, fühlt aber richtig". Der Satz ist gut und hätte ja die Basis der Demokratie sein sollen. Aber: Stimmt das noch?
Die heutigen Eliten sind hochausgebildete Verstandesmenschen. Diese sehen es als besondere Leistung an, sich weder von Gefühl noch von Empfindung führen zu lassen. Wenn überhaupt, dann spielen die Eliten mit den Gefühlen der einfacheren Menschen. Das nennt man dann Populismus.
Die Gefühlsmenschen spüren, dass sie auf die Verliererseite gelangten (im Wesentlichen Verlust des Selbstwertes und der Identität), die heute führenden Verstandensmenschen machen aus ihrer Sicht die größtmöglichen Anstrengungen die Lage unter Kontrolle zu halten. Beiden fehlt aber die führend sein sollende Empfindung! Nur diese ist in der Lage die Tugenden im wahrsten Sinne zum Leben zu bringen. Nur die Empfindung kann einen Sinn über der materiellen Welt erkennen (Viktor Frankl). Mit diesem Sinnverlust geht die Welt, wie wir sie heute kennen, zu Grunde (laut Viktor Frankl - Begründer Logotherapie). Wie sagte Goethe: "Zuerst stirbt der Geist dann die Form". Heute erleben wir den Zusammenbruch der Form, denn der Geist (auch der deutsche - im guten Sinne gemeint) ist schon längst zu Grabe getragen. Die von ihnen zitierte Angst ist berechtigt. Das Verstandeswirken versagt nun zur Gänze. Aber wie finden wir zu einem neuen Geist? Dieser Frage müsste man sich widmen, aber nur wenn vorher der Begriff Geist geklärt worden ist.

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