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28.07.2015

10:39 Uhr

Arbeit 4.0

Neuer Ärger mit Nahles

VonFrank Specht

PremiumDie Arbeitsministerin geht auf Sommerreise zum Thema Arbeit 4.0. Sie informiert sich bei IBM, Bosch und der Allianz über flexible Arbeitszeit- und neue Geschäftsmodelle. Die Wirtschaft fürchtet neue Regulierungen.

„Das ist doch mal cool.“ Werner Schuering

Arbeitsministerin Nahles (SPD):

„Das ist doch mal cool.“

BerlinDie Maschinen dröhnen beim Ludwigsburger Autozulieferer Borgwarner – Hersteller von Glühkerzen Lüftern, Zündspulen und Getriebetechnik. Doch die Revolution ist hier nicht die automatisierte Produktion, sondern eine unscheinbare kleine App.

Die zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation entwickelte Software „Kapaflexy“ erleichtert die Personaleinsatzplanung und hilft dem Unternehmen, Auftragsspitzen besser abzufangen. Auf ihrem Smartphone haben die Mitarbeiter die Wahl zwischen Black und White: Nein, ich bin verplant, oder: Ja, ich kann eine Sonderschicht am Wochenende übernehmen.

„Das ist doch mal cool“, lobt Arbeitsministerin Andrea Nahles das kleine Tool überschwänglich. Es bringe den Beschäftigten „mehr Selbstbestimmung und mehr Flexibilität“...

Kommentare (1)

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Herr F. Gessw.

28.07.2015, 09:07 Uhr

Dass Frau Nahles auf dumme Ideen kommt, ist sicherlich eine berechtigte Sorge.

Dass Arbeitgeber darunter "leiden" müssen, jedoch nicht - Hallo, wir reden von der SPD!?!

Was "die Wirtschaft" (man kommt um Stammtisch-Formulierungen ja nicht immer ganz herum, der geneigte Akademiker versteht sicherlich die Intention und möge mir den Ausdruck verzeihen) hier wieder plant, ist auf mehreren Ebenen schädlich für die Gesellschaft.

Kurzfristig betrachtet werden wir mit weiterer "Flexibilität" stark steigenden Burnout-Raten nicht senken, um es mal nett auszudrücken. Dazu kommt, dass ein weniger strenger Arbeitnehmerschutz bedeutet, dass der Status quo wieder von den Arbeitnehmern erkauft werden muss. Es gibt sehr weit gefasste Möglichkeiten für Arbeitgeber, Flexibilität zu erhalten. Viele Tarifverträge sehen Home-Office, Gleitzeit-Modelle, Wochenend-Arbeit usw. vor. Aber dafür sollen die Arbeitgeber auch mehr zahlen. Das ist völlig normal. Ein Geschäftsmodell, dass auf Ausbeutung basiert, verdient diesen Namen nicht.

Mittelfristig werden wir über die aus dieser "Flexibilität" resultierende, fortgeführte Lohndrückerei den technischen Fortschritt verhindern - der übrigens natürlich die Kehrseite der Arbeitslosigkeit ist. Warum vernichtet denn der Mindestlohn Jobs? Weil Arbeitgeber motivierter sind, einfache bzw. inzwischen auch immer komplexere Tätigkeiten von Maschinen ausführen zu lassen.

Das bringt einen abschließend zur langfristigen Betrachtung der Frage "Wie soll es in Zukunft weitergehen mit Arbeit, Menschen, Maschinen usw.?
Ich kann nicht in die Zukunft sehen. Aber ich sehe keinen Grund, dass nicht Maschinen irgendwann jede Arbeit machen können, die ein Mensch tun kann.
Und dann müssen wir andere Möglichkeiten finden, das Geld im Umlauf zu halten. Denn Maschinen kosten weniger, konsumieren aber nicht. Wenn es keine Konsumenten mehr gibt, löst sich aller Zweck unseres Wirtschaftens auf.

Merkel würde, sollte sie es verstehen, sagen: Das BGE ist alternativlos :(

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