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19.07.2017

13:09 Uhr

Gastbeitrag von DIW-Chef Fratzscher

Gekaufte Ökonomen?

PremiumWissenschaft und Forschung haben eine gesellschaftliche Bringschuld, mahnt DIW-Chef Marcel Fratzscher. Politik und Medien sollten sie respektieren und nicht versuchen, sie zu vereinnahmen. Ein Gastbeitrag.

Marcel Fratzscher leitet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und ist Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität Berlin. dpa [M]

Der Autor

Marcel Fratzscher leitet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und ist Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität Berlin.

In Deutschland wächst die Kritik an bestimmten Gruppen: Politikerinnen und Politiker lebten in einer Blase, seien nur an ihre Wiederwahl interessiert, Forscherinnen und Forscher käuflich, Journalistinnen und Journalisten würden Lügen verbreiten („Lügenpresse“), so der Diskurs. Dieser tut nicht nur den drei Beruf(ung)en unrecht, er ist auch schädlich für Demokratie und Gesellschaft.

In der Gesellschaft übernimmt jede Zunft eine bestimmte, klar definierte Rolle. Die Medien sollen als „vierte Macht“ Fakten darstellen und eine öffentliche Diskussion ermöglichen und sind somit eine wichtige Kontrollinstanz der Demokratie. Auch die Wissenschaft hat eine Bringschuld, eine gesellschaftliche Verantwortung: Sie bringt die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit in die...

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

19.07.2017, 15:55 Uhr

Sehr geehrter Herr Fratzscher,

Sie kennen doch sicher den Spruch "zwei Juristen, drei Meinungen". Für die Ökonomen gilt das Gleiche. Dass man für ein und denselben Sachverhalt drei konträre Meinungen hört, erhöht die Reputation der Zunft natürlich nicht.

Nehmen Sie als Beispiel den deutschen Leistungsbilanzüberschuß. Vielleicht schaffen es die Ökonomen sich zu einigen, dass er Ausdruck einer herausragenden Wettbewerbsfähigkeit ist. Aber dann gehen die Meinungen schon auseinander. Für die einen sind die deutschen Reformen die Ursache für die hohe Wettbewerbsfähigkeit. Für die anderen Lohndumping und Währungsmanipulationen.

Streit entzündet sich auch bei der Frage, ob unser Leistungsbilanzüberschuß den Handelspartnern nützt oder schadet. Ob der Überschuß gut oder schlecht für Deutschland ist, ist ebenfalls strittig.

Die seltsamsten Ideen hört man, wenn es um den Abbau des Leistungsbilanzüberschusses geht. Neulich las ich sogar, Deutschland müsse zu diesem Zweck die Investitionen der Unternehmen kräftig steigern. Wie man durch Modernisierung des Produktionsapparates und durch neue Produkte seine Wettbewerbsfähigkeit vermindert, hat mir der Fachkollege leider nicht erklärt. Dabei hätte ich das so gerne gewußt.

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