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04.05.2017

12:04 Uhr

Gerhart Baums Antwort auf de Maizières Thesen

Weltbürgertum statt Leitkultur

VonGerhart Baum

PremiumUnser Grundgesetz braucht keinen Zusatzkatalog von Werten, wie ihn Thomas de Maizière vorschlägt. Dadurch würde Abgrenzung zur Ausgrenzung. Wir haben eine Verpflichtung – gegenüber Europa und der Welt. Ein Gastbeitrag.

Gerhart Baum ist Rechtsanwalt und Politiker. Von 1978 bis 1982 war er Bundesinnenminister

Der Autor

Gerhart Baum ist Rechtsanwalt und Politiker. Von 1978 bis 1982 war er Bundesinnenminister

Das Echo auf den Vorstoß von Thomas de Maizière zeigt: Die Debatte dürfte nun wirklich ein Ende haben. Frühere Versuche, eine Art Leitkultur zu formulieren, sind allesamt auf der Strecke geblieben. Norbert Lammert hatte sich ungleich anspruchsvoller als de Maizière darum bemüht. Auch er konnte keinen Erfolg haben. Es ist nicht möglich, neben dem Grundgesetz relativ willkürlich ausgesuchte Themen als Leitkultur zu katalogisieren.

Schon aus diesem Grund erübrigt es sich, die zehn Punkte des Ministers als Themen einer Leitkultur zu diskutieren. Solcherlei ist Ablenkung von der eigentlichen Aufgabe unserer Gesellschaft, sich nämlich immer wieder zu vergewissern, welche Werte unser Zusammenleben...

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

04.05.2017, 17:13 Uhr

Sehr geehrter Herr Baum,

"das Grundgesetz hält unsere multikulturelle Gesellschaft zusammen", schreiben Sie. Wie ist das nun mit "Multikulti"? Dieses Leitbild haben die Grünen über viele Jahre propagiert. Aber heute redet davon niemand mehr. Das Leitbild ist bei allen Parteien absolut out.

Heute reden wir von Integration. Wir wollen nicht, dass Zuwanderer nur nur untereinander leben und die Sprache und Kultur ihres Herkunftslandes bis in alle Ewigkeit beibehalten: Unsere Vorstellung ist, dass Zuwanderer unsere deutsche Sprache lernen und ansonsten wie Deutsche leben und arbeiten sollten. Heute heißt unser Schlagwort Integration. Ich gehe davon aus, dass Sie diese Vorstellung teilen.

Warum man dann aber einem integrationswilligen Zuwanderer nur das Grundgesetz in die Hand drücken soll, entzieht sich meiner Vorstellung. Warum dürfen wir ihm nicht vom Erfinder des Automobils erzählen? Oder ihm unsere Heimatlieder beibringen? Unbestreitbar ist, dass die deutsche Leitkultur keinem aufgezwungen werden darf. Insoweit bin ich bei Ihnen. Aber von unserer Kultur erzählen, wird man wohl noch dürfen.

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