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14.07.2017

15:45 Uhr

Handelsüberschuss

Das Problem der anderen

VonThomas Sigmund

PremiumDie Kritik des „Economist“ an Deutschlands Exportstärke ist wohlfeil – denn der Überschuss in der Leistungsbilanz ist nicht gefährlich. Den anderen Nationen fehlt die Wettbewerbsfähigkeit. Eine Replik.

Die Exportstärke Deutschlands sorgt die internationale Konkurrenz. Oliver Tjaden/laif

Der Hafen von Duisburg

Die Exportstärke Deutschlands sorgt die internationale Konkurrenz.

BerlinVor fast 20 Jahren bezeichnete der „Economist“ Deutschland als den „kranken Mann Europas“. Heute warnt das einflussreichste Wirtschaftsmagazin der Welt auf einmal vor der Exportstärke der deutschen Unternehmen, die die Weltwirtschaft beschädige. Dabei hat Deutschland nur das beherzigt, was ihm die Briten empfohlen hatten, um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.

Gefährlich ist nicht der schwarze Bundesadler auf gelbem Grund, der auf dem Titelcover prangt. Gefährlich ist die Realitätsverweigerung vieler unserer europäischen Nachbarn und der USA. Ihre nationalen Ökonomien leiden nicht an Deutschland, sondern an sich selbst.

Dazu gehören die vom Brexit gebeutelten Briten. Frankreich schloss 20 Jahre lang...

Kommentare (2)

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Herr Christian Körner

14.07.2017, 08:54 Uhr

Vor den Euro-Zeiten wertete die DMark auf, so dass die sehr erfolgreichen deutschen Produkte immer teurer wurden. Heute hat man diesen einfachen Mechanismus nicht mehr. Aber es gibt da noch einen sehr viel einfacheren und wirkungsvolleren Weg: Man erhöht die Preise in den USA, dann wird weniger gekauft und die Gewinne der Unternehmen steigen.
Da hab ich noch ein schönes Bild: Man nehme 100 smartphones eines internationalen Herstellers, diese passen in eine Schachtel. Dafür bekommt man ein schönes europäisches Luxusauto. Dann beginnt man darüber nachzudenken, wer stellt das her, welche Gewinne werden erzielt, wer zahlt wo und wieviel Steuern, und für die Wissenschaftler unter uns - wie wirkt das auf die Leistungsbilanz der Staaten? Das gleiche kann man natürlich auch mit Dienstleistungen wie zum Beispiel den sozialen Medien versuchen - nur wer ist da dann der europäische Spar­rings­part­ner?

Frau Edelgard Kah

14.07.2017, 17:32 Uhr

Sehr geehrter Herr Sigmund,

mir gefällt Ihr Artikel und alle Ihre Argumente ausgezeichnet. Herzlichen Dank. Dennoch gibt es Stoff zum diskutieren.

Die Frage: Was machen wir denn eigentlich mit unserer hohen Wettbewerbsfähigkeit? Macht es wirklich Sinn, jedes Jahr zusätzlich ein paar Hundert Milliarden Leistungsbilanzüberschuß in Form von Devisenreserven bei der Bundesbank anzuhäufen? Ein immer größerer Schatz für schlechte Zeiten? Der von unseren Bundesbankern höchstwahrscheinlich nicht nach Renditegesichtspunkten verwaltet wird. Gibt es wirklich nichts Besseres auf dieser Welt, als zweckfrei Jahr für Jahr immer mehr schlecht verwaltetetes Geld auf die hohe Kante zu legen?

Mal so eine Idee: Jeder weiß, dass wir in unserem Land einen Niedriglohnsektor haben. Dass es beispielsweise im Handel, der Gastronomie oder bei den staatlichen Pflegeberufen Millionen von Arbeitskräften gibt, die von ihrem Verdienst kaum leben können und nur mühsam über die Runden kommen. Millionen von "working poors" auf der einen Seite. Und jedes Jahr hohe und nutzlos angelegte Leistungsbilanzüberschüsse auf der anderen Seite. Müssen wir mit diesem Irrsinn fortfahren bis eine rot/rot/grüne Bundesregierung ihn beendet?

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