Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.02.2017

09:08 Uhr

Martin Schulz – Held der Arbeiter

Die Rückkehr des Robin Hood

PremiumMartin Schulz stilisiert sich zum Schutzpatron der kleinen Leute und will die SPD von den traumatischen Hartz-Reformen befreien. Hat er Erfolg, könnte die Republik eine andere werden. Aber nicht unbedingt eine gerechtere.

Miriam Migliazzi und Mart Klein

3-format_Rahmen

Irgendetwas ist anders in Bielefeld. Martin Schulz, eigentlich einer, der aufblüht, wenn er frei redet, schaut auffallend oft auf sein Manuskript. Er hält sich am Pult fest, nur selten, in ganz emotionalen Momenten, wirbeln seine Hände durch die Luft. Immer wieder lässt er seine Worte sacken, guckt sich in der Stadthalle um, befeuchtet die Lippen.

Dieser Auftritt hier kostet mehr Kraft, mehr Konzentration als all die anderen in den Wochen zuvor. Seine Rede ist nicht mitreißend wie sonst. Viele Politiker versuchen es zu überspielen, wenn sie sich an einem Manuskript entlanghangeln müssen. Schulz hingegen verbirgt nicht, dass er angesichts der...

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Unbekannt

24.02.2017, 08:32 Uhr

Der von Ihnen beschriebene Rückfall in alte sozialistische Umverteilungsstrategien ist besser verständlich durch die europäischen Erfahrungen des Herrn Schulz. Er will das Zerbrechen der EU und insbesondere der Euro-Zone dadurch verhindern, dass wir uns den Südländern GR, I, E, P und F anassen und nicht umgekehrt, was ja bekanntermaßen gescheitert ist.

Warum sollen wir ein Vorbild abgeben, das keiner in Europa will und welches mehrheitlich als deutsches Dominanzstreben bewertet wird?

Also werden wir unter einem Bundeskanzler Schulz die Sozialausgaben auf Pump erhöhen, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe muss durch die Rücknahme der Hartz Reformen behindern. Was sollen auch die Exportüberschüsse, die ja doch weitgehend nur durch unsere Forderungen an die (zahlungsunfähige) EZB bezahlt werden?

Wir haben noch Spielraum in der Staatsverschuldung, wenn andere Länder schon Richtung 200 % des BIP unterwegs sind, und gar nicht daran denken, ihre Schuldenpolitik zu ändern. Die Südländer haben schon immer mehr Geld ausgegeben, als sie über Steuern einnehmen wollten (so was verärgert ja die Klientel). Der Rest wurde über Geldemissionen finanziert. Eine kräftige Inflation kann man der Bevölkerung immer besser verkaufen als Steuererhöhungen, da kann man sogar politisch punkten, wenn man auf die bösen Geschäftsleute schimpft. Das kann man bei den antiken Griechen schon nachlesen.

Wenn es nicht gelingt, dieses Ausgabenbgebaren der Staaten über die Inflation zu finanzieren (die verringert ja praktischerweise auch die Staatsschulden), dann gibt es eben eine Währungsreform. Unsere letzte ist ja auch schon fast wieder 70 Jahre her. Und die nächste Währungsreform kann man dann sogar als europäisches Friedensprojekt verkaufen. In der Vergangenheit haben wir ja hauptsächlich die Kriege über die Währung finanziert.

Wir Bürger haben die Wahl, d. h. wenn CDU/CSU dazu auch eine Position bezieht. Bisher geht sie wohl davon aus, dass sie alternativlos sowieso gewählt wird.

Herr Sven Riek

24.02.2017, 10:20 Uhr

Ich denke die SPD hat ein Koalitionspartnerproblem. Während die Wähler mit einem Bündnis mit den Grünen schon jahrelange Erfahrung haben ist die Linke als Partner zum einen nicht nur unberechenbar, sondern auch noch sehr extrem in ihren Ansichten (Beispiel:Nato Austritt oder Grundeinkommen) und dürfte Wähler der Mitte verschrecken. Denn die bisher von Martin Schulz vorgeschlagenen Änderungen an der Agenda 2010 sind ja erstmal nicht so wirtschaftsschädigend, dass man sich Sorgen muss. Etwas mehr Sicherheit für die deutschen Arbeitnehmer ist sicherlich nicht verkehrt. Zum Problem wird das erst wenn die Linke als Partner diese Ideen noch weiter nach links forciert und dann das gesunde Mittelmaß überschreitet.

Denn eines ist ja klar. Es wird immer ein hin und her zwischen der Wirtschaft und den Arbeitnehmern geben. Ob beim Mindestlohn, Kündigungsschutz etc wird immer wieder von beiden Seiten die gleichen Argumente kommen. Wichtig ist halt das Mittelmaß zu finden und die SPD steht als mitte-links Partei eigentlich genau für dieses Maß. Und wenn man sich die deutschen Wirtschaftserfolge der letzten Jahre anschaut und den Budgetüberschuss des deutschen Staates von über 20 Milliarden Euro in 2016 finde ich, dass man durchaus über eine Verschiebung in Richtung der Arbeitnehmer sprechen darf. Es kommt halt vor allem auf das Maß an.

Herr Günter Meyer

24.02.2017, 15:55 Uhr

es wurde auch Zeit, dass die SPD mal wieder einen Linksschwenk macht. Nach den Harz-Reformen und der Riester-Abzocke muss das sein.
Ob es die SPD aber dieses Mal durchhält glaube ich nicht. Sie wird wie immer wieder umfallen, wenn sie wieder an der Macht sein sollte. Denn wirkliche Reformen wie z.B. Bürgerversicherung im Sektor Krankheit und Rente fasst sie doch nicht an. Dazu stehen viel zu viele gut bezahlte Posten von Genossen auf dem Spiel.

Allerdings muss man sich die Frage stellen, ob solche Beiträge wie dieser Artikel nicht schon wieder die Seite der Reichen und Wohglhabenden zu einseitig vertritt. Haben die Angst ? Doch wohl nicht vor Martin Schulz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×