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22.12.2016

15:58 Uhr

Vergleich zur RAF-Zeit

Alter Terror, neuer Terror

VonFrank Wiebe

PremiumWer alt genug ist, fühlt sich durch die Terrorangriffe in Europa und jetzt auch mitten in Deutschland an die Zeit der „Roten-Armee-Fraktion“ (RAF) erinnert, auch als Baader-Meinhof-Bande bekannt. Ein Vergleich ist lehrreich. Eine Analyse.

Blick auf den Tatort in Köln: Drei Polizisten und der Fahrer starben bei der Geiselnahme des damaligen Arbeitgeberpräsidenten durch RAF-Terroristen. dpa

Entführung von Hanns Martin Schleyer am 5. September 1977

Blick auf den Tatort in Köln: Drei Polizisten und der Fahrer starben bei der Geiselnahme des damaligen Arbeitgeberpräsidenten durch RAF-Terroristen.

Damals hat eine Gruppe von Mördern mehr als 20 Jahre lang bis in die 90er hinein das Land in Angst und Schrecken versetzt und mehr als 30 Menschen umgebracht. Daneben war sie 1977 in die Flugzeugentführung verwickelt, die mit der Geiselbefreiung von Mogadischu endete.

Anders als heutige Salafisten oder andere radikale Islamisten kamen die Täter damals aus dem Herzen der deutschen Gesellschaft. Ulrike Meinhof war die Tochter eines Pfarrers. Umso verstörender war der damalige Terrorismus. Umso mehr drohte er damals die Gesellschaft zu spalten, wo sich Konservative und Linke in einer Weise unversöhnlich gegenüberstanden, die heute kaum noch nachvollziehbar ist....

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

22.12.2016, 17:00 Uhr

Sehr geehrter Herr Wiebe,

reden wir einmal über Terrorbekämpfung. Mir scheint, dass die RAF-Leute weitaus intelligenter waren als es die heutigen radikalisierten Islamisten sind. Jedenfalls schafften sie es, prominente Politiker, Wirtschaftsführer und deren Personenschützer gezielt zu töten. Von solchen gezielten und schwierig durchzuführenden Morden kann heute keine Rede sein.

Ein anderer Punkt. Die RAF-Leute lebten in Zellen, die untereinander vernetzt waren. Demgegenüber scheint es, dass die radikalisierten Islamisten isoliert leben. Und sie haben auch keine Unterstützung durch die Bevölkerung, es gibt niemand, der sie aufnimmt und versteckt.

Die RAF-Leute, die dem angeblichen "Schweinesystem" den Kampf angesagt hatten, haben ihr Ziel nicht erreicht. Sie wurden von den Sicherheitsbehörden Schritt für Schritt festgenommen. Heute gibt es keinen RAF-Kämpfer mehr.

Und die radikalisierten Islamisten? Das BKA kennt 549 "Gefährder", von denen etwa die Hälfte in Deutschland leben. 80 von ihnen sind inhaftiertiert.

Alles in allem gesehen: Viel Arbeit für die Sicherheitsbehörden. Und vielleicht müssen wir auch den einen oder anderen Anschlag noch ertragen. Aber unser Problem hat auch nicht die Dimension, wie wenn mordgierige Heere von Hunnen oder Mongolen vor unserer Haustür stünden.

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