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25.12.2016

09:16 Uhr

Appell einer Liberalen

Pathos statt Party

VonThea Dorn

PremiumMit einem Heroismus des Glühweintrinkens und Wurstessens werden wir uns vor dem Terror nicht retten können. Der Liberalismus muss den Kampfgeist wiederfinden, den er in den unseligen 90ern verloren hat. Ein Appell.

Der liberale Verfassungsstaat ist nur so stark, wie die Menschen, die ihn ausmachen. dpa

Niedergelegte Blumen und Kerzen am Breitscheidplatz

Der liberale Verfassungsstaat ist nur so stark, wie die Menschen, die ihn ausmachen.

Tumbheit, Fanatismus, Brutalität sind auf dem Vormarsch. Und wir, die Ungezwungenen, die Individualisten, die lässig-toleranten Lifestylisten, die überzeugt sind, dass jedem Tierchen sein Pläsierchen zu gönnen sei, sind herausgefordert, wie wir es nie für möglich gehalten hätten. Aufgewachsen unter der westlichen Sonne als Kinder der Freiheit, des Friedens, stehen wir da und reiben uns die Augen – oder halten uns die Ohren zu –, während sich unsere Sonne verfinstert und das Feindesgeheul von allen Seiten anschwillt.

2001, im Jahr, in dem der islamistische Terror gegen unsere Metropolen begann, sprach der amerikanische Präsident, der damals noch George W. Bush hieß, von...

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

26.12.2016, 14:47 Uhr

Sehr geehrte Frau Dorn,
sehen Sie mir bitte nach, dass ich nicht alle Facetten Ihres Artikels verstanden habe. In meiner Antwort beschränke ich mich auf anschauliche Beispiele.

Fangen wir an mit unseren Kindern. Sie sind schon im Kindergarten einem Wettbewerb ausgesetzt. Und in der gesamten Schulzeit gibt es für sie nichts Wichtigeres als Noten. Sie entscheiden über Ausbildungs- und Studienplätze und sind damit von existentieller Bedeutung. Auf den Schulabschluß folgen Lehre oder Studium, folgt der Einstieg in einen Beruf und die ersten Berufsjahre. Und in all den Jahren geht es immer nur um eines. Besser zu sein als andere. Das Stichwort heißt "Wettbewerb". Und in einem um die eigene Existenz geführten Wettbewerb gibt es eben keine Kameraden oder Freunde. "Wir sind ein Volk" riefen die protestierenden Menschen in den letzten Tagen der DDR. Wirklich? Gibt es wirklich noch Mitmenschlichkeit und Solidarität?
Werfen wir als nächstes ein Blick auf undere Betriebe. In einem mittelständischen Betrieb mit ein paar Hundert Mitarbeitern war der Chef in früheren Zeiten darauf angewiesen, dass alle Mitarbeiter ihr Bestes gaben. Die Mitarbeiter wurden deshalb hofiert. Das geflügelte Wort hieß "Wir alle sind eine Familie". Niemand wäre beispielsweise auf die Idee gekommen, aus rein finanziellen Gründen eine 58jährige Sekretärin zu feuern. Doch die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Das Stichwort heißt Globalisierung. Deutsche Firmen haben in Osteuropa, China und in vielen anderen Ländern Produktionsstätten aufgebaut, die viel billiger produzieren. Plötzlich wußte an deutschen Standorten jeder Mitarbeiter, dass er weltweit mit allen anderen Arbeitern konkurriert.

Damit komme ich zu meinen Schlußfolgerungen. Ich glaube nicht, dass wir unsere Wettbewerbsgesellschaft abschaffen können. Aber der Wettbewerb läßt einen gewissen Spielraum. Einen Spielraum für Anstand und humanistische Werte. Und um die "Abgehängten" muß sich der Staat mit allen verfügbaren Mitteln kümmern.

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