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14.07.2016

20:16 Uhr

Peter Sloterdijk über die EU und Populismus

„Europa hat es nicht nötig, populär zu werden“

PremiumVertiefung? Erweiterung? Bloß nicht! Die Stärke der EU ist, dass sie auch nach dem Brexit einfach weitermacht, meint Peter Sloterdijk. Immerhin sei sie das erste populismusresistente Gebilde der Historie – neben der Kirche. Ein Essay.

Der Philosoph spürt den Folgen des Brexits nach. Wolfgang Wilde

Zeitdiagnostiker Sloterdijk

Der Philosoph spürt den Folgen des Brexits nach.

1. An ihren Schlagworten sollt ihr sie erkennen: Für das im Jahr 2011 lancierte Koffer-Wort „Grexit“ zeichnete ein Mitarbeiter der New Yorker Citigroup verantwortlich, ein „Analyst“ namens Ebrahim Rahbari, der zur Manipulation der europäischen Anlegeröffentlichkeit Kennwörter und Trendsignale im Interesse seines Unternehmens erfinden sollte.

Die so handliche wie hässliche Kurzformel, die für den möglichen Austritt Griechenlands aus der europäischen Währungsunion stand, verbreitete sich binnen kurzer Zeit in den Medien der Alten Welt wie eine semantische Maul- und Klauenseuche. Man versteht, warum die für uns zuständige Mediasphäre den Ausdruck bereitwillig aufnahm: Musste man damals schon viele Milliarden abschreiben, wollte man wenigstens...

Kommentare (2)

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Herr Gerhard Mall

15.07.2016, 10:44 Uhr

Am Essay von Peter Sloterdijk gefallen mir besonders gut die Analyse der besserwisserischen Belehrungen, die jetzt allenthalben den Engländern nach ihrem Votum für einen Austritt aus der EU präsentiert werden, und seine fundierte Kritik an Vertiefung und Erweiterung der EU. Die publizistischen Erregungswellen sind inzwischen schwer erträglich.

Herr Prof. Dr. Paul Tavan

15.07.2016, 11:57 Uhr

Sloterdijk schreibt: "Somit bleibt Europa bis auf weiteres die erste und einzige politische Struktur, die ins Große reicht, ohne die üblen Manieren des Imperialismus an den Tag zu legen."
Welch ein Irrtum. Er scheint nicht wahrgenommen zu haben, dass die EU mit ihrer Osterweiterungspolitik, die über die jetzigen Mitglieder hinaus weit nach Osten zielte (Ukraine, Georgien, ...) eine klassische imperialistische Politik der Eroberung von Absatzmärkten und Rohstoffquellen betrieben hat. Was anderes als aggressiver Imperialismus war es, die Ukraineim Verein mit den USA aus dem Zollverbund mit der russischen Föderation herauslösen und in den EU Wirtschaftsraum hineinintergrieren zu wollen (wie üblich unter der Fahne Freiheit und Demokratie). Das vom heutigen Goldman-Sachs Berater Barroso entworfene EU-Ukraine Assoziierungsabkommen war diesbezüglich eindeutig. Entspannungspolitik und Bau am gemeinsamen europäischen Haus, in das auch Russland integriert werden muss, war es jedenfalls nicht.

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