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18.04.2017

17:03 Uhr

Türkei nach dem Referendum

Die Sehnsucht nach gestern

VonOzan Demircan

PremiumDurch die Türkei geht ein Riss, das zeigt das Referendum ganz deutlich – zwischen Jung und Alt, Stadt und Land. Es ist ein weltweites Phänomen, das auch vor Deutschland nicht haltmachen wird. Eine Analyse.

Vor allem in den großen Städten stimmten die Menschen gegen das Präsidialsystem. AFP; Files; Francois Guillot

Erdogan-Gegner in Istanbul

Vor allem in den großen Städten stimmten die Menschen gegen das Präsidialsystem.

IstanbulAuch wenn er am Ende gewonnen hat, für Recep Tayyip Erdogan muss sich das Wahlergebnis in der Türkei wie eine Niederlage anfühlen. Nicht nur, weil das Referendum dem vorläufigen Wahlergebnis zufolge mit gerade einmal 51,4 Prozent Zustimmung knapp ausgegangen ist. Viel schlimmer ist, dass die größten Städte des Landes mehrheitlich gegen die politischen Pläne des Präsidenten gestimmt haben. Selbst in Istanbul, wo Erdogan aufgewachsen und vier Jahre lang Bürgermeister gewesen war, reichte es nicht für eine Mehrheit. Istanbul, die Stadt, über die Erdogan während eines früheren Wahlkampfs gesagt hatte: „Wenn du Istanbul gewinnst, gewinnst du die ganze Türkei.“ Tatsächlich...

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

18.04.2017, 17:54 Uhr

Sehr geehrter Herr Demircan,

erlauben Sie, dass ich Sie zitiere: "Die gebildete Bevölkerungsschicht wandert ins Ausland ab, zurück bleibt ein relativ unproduktiver Rest".

Meine Meinung: Bezogen auf halbwegs freie Gesellschaften (USA, Großbritannien), ist dieser Satz eine maßlose Übertreibung. Und ob Diktaturen ihre gebildeten Staatsbürger ohne Hemmnisse auswandern lassen, läßt sich wahrscheinlich nicht verallgemeinern. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die ehemalige DDR, die die Abwanderung ihrer eigenen Bevölkerung mit einer Mauer und Stacheldraht geschützt hat.

Ein anderes Thema ist der Populismus. Ich kann zu diesem Thema keine Vorlesung halten. Aber vielleicht überlegen Sie selbst einmal, ob er nicht weitgehend auf ein Versagen der Regierungen (Establishment) zurückgeht. Als Beispiel nenne ich die deutsche Flüchtlingspolitik des Jahres 2015. Die damalige "Willkommenskultur" der Politiker wollte ohne Obergrenzen alle Flüchtlinge dieser Welt aufnehmen und auf die EU-Länder verteilen. Dass dieser gedankliche Ansatz ins genaue Gegenteil verkehrt wurde, geht allein darauf zurück, dass die Leute die einzige gebotene Alternative (AfD) gewählt haben.

Die Flüchtlingspolitik ist natürlich nur ein Beispiel. Genau so gut könnten Sie fragen, warum Trump gewählt wurde oder warum die Briten sich für den Brexit entschieden haben. Meine Meinung: Es hat stets damit zu tun, dass die Vorgänger-Regierungen sich um berechtigte Anliegen nicht gekümmert haben.

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