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22.03.2017

18:00 Uhr

Türkischer Vize-Premier Mehmet Şimşek

„Ich hoffe, die Rhetorik beruhigt sich“

VonOzan Demircan

PremiumNeue Töne aus Ankara: Während der türkische Präsident noch gegen die Europäer wettert, ebnet der Vize-Premier im Interview mit dem Handelsblatt den Weg für eine Versöhnung. Er hofft auf die EU als Partner und setzt auf gesellschaftlichen Wandel in seiner Heimat.

„Wir versuchen, zu einer pragmatischeren ‧Außenpolitik zurückzukehren.“ Bloomberg

Der Türkische Vize-Ministerpräsident Mehmet Şimşek

„Wir versuchen, zu einer pragmatischeren ‧Außenpolitik zurückzukehren.“

Zum exklusiven Interview mit dem Handelsblatt im fünften Stock eines Nobelhotels in Baden-Baden erscheint Vizepremier Mehmet Şimşek mit schwerem Atem. Er sei die Treppe gelaufen, weil er keine Aufzüge benutze. Schnell wird klar, dass der AKP-Spitzenmann sich an der diplomatischen Eskalation nach dem Eklat um Wahlkampfauftritte nicht beteiligen will. Der für die türkische Wirtschaft zuständige Vizeregierungschef Şimşek baut offenbar auf die Brücken, die noch nicht eingerissen sind – und auf die Zeit nach dem Verfassungsreferendum in der Türkei.

Herr Şimşek, beim G20-Finanzgipfel in Baden-Baden haben Sie viele Politiker getroffen, die gegen das von Ihrer Partei angestrebte Präsidialsystem sind. Auch...

Kommentare (1)

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Herr Hubert Anderl

23.03.2017, 18:17 Uhr

Es mutet an, wie denn der Wolf Kreide gefressen hätte. Die Rhetorik von Erdogan und seiner Anhänger zeigt, wie groß die kulturellen Unterschiede zwischen der Türkei und Europa sind. Es kann nicht zusammenwachsen was nicht zusammengehört. Ein autokratischer, islamistischer Staat, den Erdogan geschaffen hat, in dem er seine Macht durch ein Präsidialsystem festigen will, wird nie die europäischen Werte einer freien, säkularen, demokratischen Gesellschaft anerkennen. Wer nicht so denkt wie Erdogan wird zum Terroristen erklärt. Wenn alle das gleiche denken, ist dies nichts anderes als Korruption. Damit alle das gleiche Denken, wird die Meinungs- und Pressefreiheit unterdrückt, andersdenkende werden eingeschüchtert oder gleich weggesperrt. Die Vorverurteilung (natürlich weiß Erdogan schon was in den Ermittlungsakten steht) von Denis Yücel durch Erdogan zeigt, dass Rechtsstaatlichkeit nicht mehr existiert.
Ein übersteigerter Nationalismus, der Islamismus, die Unterstützung des islamistischen Krieges in Syrien – was zur Flüchtlingskrise führte und führt– um die sunnitische Vorherrschaft auszudehnen, die Unterdrückung anderer muslimischen Minderheiten und anderer religiöser Gruppen, der Bürgerkrieg im eigenen Land gegen die Kurden, die pauschal als Terroristen bezeichnet werden, sind nur einige Konflikte, die von Erdogan befeuert werden. Gerade die islamistische Ausrichtung der Türkei, die die laizistische Staatsidee des Staatsgründers Atatürk, dessen Garant das Militär war, rückgängig gemacht hat, zeigt, dass die Türkei unter Erdogan sich von den europäischen Werten abgewendet hat, diese sogar massiv bedroht.

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