Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2017

10:28 Uhr

Verhältnis Deutschland-Türkei

Erdogans langer Arm

VonThomas Sigmund

PremiumDie Beziehung zwischen der Türkei und Deutschland ist zerrüttet. Durch seine Nazi-Vergleiche hat der türkische Präsident die rote Linie überschritten. Nun ist Standfestigkeit seitens Merkel gefordert. Eine Analyse.

Der türkische Staatspräsident hat die Bundesrepublik mit dem Dritten Reich verglichen. AFP; Files; Francois Guillot

Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Staatspräsident hat die Bundesrepublik mit dem Dritten Reich verglichen.

BerlinKanzlerin Angela Merkel hat der Türkei früher eine privilegierte Partnerschaft angeboten. Das war weniger als eine Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union, aber besser als nichts. Heute beobachten wir eine zerrüttete Beziehung.

Präsident Recep Tayyip Erdogan rückt die Kanzlerin in die Nähe von Terroristen, bei seinen Auftritten in Deutschland rief er unverhohlen Zehntausende seiner Anhänger dazu auf, sich nicht zu integrieren. Türkische Politiker vergleichen die Bundesrepublik mit dem Dritten Reich. Auch wenn Erdogan vor einem für ihn entscheidenden Verfassungsreferendum steht, hat er damit die rote Linie überschritten.

Erdogans Tiraden zeigen aber auch die Grenzen des liberalen Rechtsstaats auf. Die Bevölkerung...

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Matthias Moser

15.03.2017, 11:54 Uhr

Frau Merkel muß nicht nur standfest sein und bleiben, sondern auch endlich mal anfangen, sich / uns nicht alles gefallen zu lassen.
Die fortfährenden Unverschämtheiten muß / darf man sich sich ewig gefallen lassen. Es gibt auch qualitativ hochwertige Arten sich zu wehren, außer der Art nichts zu sagen.

Frau Edelgard Kah

15.03.2017, 13:07 Uhr

Sehr geehrter Herr Sigmund,

um was geht es denn wirklich? Was bringt unser Blut in Wallung? Sind es die Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in Deutschland? Oder die Nazi-Vergleiche und die Hetze? Alles sehr ärgerlich. Aber vielleicht noch nicht der Untergang des Abendlandes.

Geht es vielleicht darum, dass Erdogan in seinem eigenen Land die Demokratie beseitigt? Dass die Unabhängigkeit der Presse und der Justiz schon heute beseitigt sind und Erdogan sich zu einem Alleinherrscher aufschwingt? Gewiß, keiner von uns mag Diktatoren. Aber leider gibt es von ihnen so viele auf dieser Welt, dass wir nicht jeden ächten oder mit Waffengewalt bekämpfen können.

Wo also ist die rote Linie? Wo ist unsere Standfestigkeit gefragt? Wo können wir auf keinen Fall mitmachen? Wogegen müssen wir auf jeden Fall kämpfen?

Meine Stichworte heißen Verfolgung und Terror. Was das ist? Vielleicht erzähle ich Ihnen ein wenig von den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. In diesen Stätten brutalster Willkür wurden Gefangene mißhandelt und häufig auch ermordet. Jeder potentielle Regimegegner mußte damit rechnen, in ein KZ eingeliefert zu werden. Die Insassen waren Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden, Pfarrer, Zigeuner, Homosexuelle und später auch Kriegsgefangene.

Doch zurück zu Erdogan. Dass er unter nichtigen Vorwänden die Kurden verfolgt und gegen ihre Siedlungen sogar militärisch vorgeht ist ebenso bekannt wie sein Terror gegen angebliche Anhänger der Gülen-Bewegung. Erdogan ist ein Diktator mit Blut an den Händen, der die Menschenrechte mit Füßen tritt. Wollen Sie mit ihm eine Freundschaft?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×