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02.06.2016

12:40 Uhr

Fehde der Aldi-Nord-Erben

Letzter Wille, lauter Krach

VonJan Keuchel, Florian Kolf

PremiumBei den Albrechts herrscht Familienkrieg: Zwei Familienstämme der Aldi-Nord-Erben befehden sich. Es geht um viel Geld, alte Verletzungen, neuen Hass – und die Macht im Discount-Reich. Der Ton wird dabei immer schriller.

Die Witwe von Berthold Albrecht hat Krach mit dem Schwager. dpa

Babette Albrecht

Die Witwe von Berthold Albrecht hat Krach mit dem Schwager.

EssenBerthold Albrecht, der zweitgeborene Sohn des Aldi-Nord-Patriarchen Theo, war erst wenige Wochen vorher verstorben. Nun sollte das Erbe geregelt werden. So traf sich Aldi-Anwalt Emil Huber, den Berthold in seinem letzten Willen mit der Testamentsvollstreckung betraut hatte, am 27. Dezember 2012 im Gästehaus der Familienvilla im noblen Essener Stadtteil Bredeney mit der Witwe Babette und ihren fünf Kindern.

Das Treffen hätte der Beginn einer vertrauensvollen Zusammenarbeit werden können. Aber es endete in einem Desaster und entzündete einen Streit, der das Potenzial hat, das Erfolgsmodell des Discounters Aldi Nord nachhaltig zu erschüttern. Denn Firmenanwalt Huber legte ein zwölfseitiges...

Kommentare (1)

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Herr Roland Kubitza

02.06.2016, 11:06 Uhr

Wer sich mit Konflikten in Familienunternehmen näher beschäftigt, sieht hier eine häufig vorkommende Konstellation, die bei Familie Albrecht sicher besonders gravierende Auswirkungen haben kann.
Die Frage, welche Bedeutung der letzte Wille eines Verstorbenen für das Leben und Handeln der Angehörigen hat, wird jeder anders beantworten und steht immer wieder im Fokus von Auseinandersetzungen. Der einen Argumentationsseite, die heißt, das den Verstorbenen immer ein ehrendes Andenken zu gewähren ist und der letzte Wille unbedingt respektiert werden muss, steht dann die Frage gegenüber, ob der Einfluss eines Verstorbenen größer sein kann, als der der lebenden Nachkommen. Weitergedacht könnte sich nämlich die Situation einstellen, dass man als Mitglied einer Unternehmerfamilie erst dann etwas zu sagen hat, wenn man verstirbt und sich die Hinterbliebenen an das Testament zu halten haben ...
Auch Familie Albrecht ist sicher noch zu "retten". Aber nur, wenn sie es wirklich wollen und nicht in der aktuellen Situation des Konflikts mehr Vorteile für sich sehen, als wenn sie ihn beilegen würden. Und es wäre über Beziehungen und Gefühle zu sprechen. Auch dazu musss man sich entschließen können. Es geht hier bei weitem nicht nur um die Macht im Unternehmen, wie der Artikel behauptet, sondern um unterschiedliche Konflikte auf den Ebenen von Familie, Unternehmen und Gesellschafter.

Nicht zuletzt muss man sich bei den vorliegenden Größenordnungen die Frage stellen, wer ein finanzielles Interesse an der Aufrechterhaltung der juristischen Streitigkeiten hat und welchen Einfluss diese Kräfte auf eine denkbare Einigung im Rahmen von Konfliktmangement in Familienunternehmen haben.
Roland Kubitza
Kubitza-Beratung
Konfliktmanagement in Familienunternehmen.
Heppenheim

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