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23.07.2017

19:10 Uhr

Das Kartell

Deutsche Autoindustrie in der Krise

PremiumDie mächtigsten Automobilkonzerne Deutschlands sollen sich illegal abgesprochen haben. Nun liefern sie sich ein Rennen um die Gunst der Behörden. Das Ende des Kartells hat eine ehemalige Vorständin vorangetrieben.

Die meisten Diesel-Autos stoßen zu viel Stickoxid aus. PantherMedia / Daniel Petzold

Abgase

Die meisten Diesel-Autos stoßen zu viel Stickoxid aus.

Düsseldorf/FrankfurtDer Vorwurf klingt unglaublich: Über mehrere Jahrzehnte soll sich ausgerechnet die Autobranche, die Vorzeigeindustrie der Deutschland AG, illegal über die Fahrzeugentwicklung, Kosten, Zulieferer und Märkte abgesprochen haben. Das Bundeskartellamt und die EU-Wettbewerbskommission prüfen entsprechende Hinweise. Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen droht eine zweistellige Milliardenstrafe, sollten die Vorwürfe bestätigt werden.

VW hatte einem Bericht des „Spiegels“ zufolge bereits am 4. Juli 2016 Selbstanzeige beim Kartellamt eingereicht, Daimler offenbar kurz danach. VW-Aufsichtsratsmitglieder zeigten sich schockiert. Das Gremium sei nicht über die Selbstanzeige informiert gewesen. „Es muss sofort in der kommenden Woche eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung geben“, teilte VW-Konzernbetriebsratschef...

Kommentare (3)

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Herr Rainer Hake

24.07.2017, 09:29 Uhr

Seit Jahrzehnten werden im Rahmen des VDA in Arbeitsgruppen der Hersteller Standards abgestimmt. Das Ziel war immer einheitliche Vorgaben für die Industrie und der Zulieferer zu schaffen. Das hat Jahrzehnte jeder gewußt und auch unterstützt. Es hat auch international Einfluss auf Qualität und Kosten gehabt, im positive Sinne. Nur durch einheitliche Standards lassen sich auch gute kostengünstige Produkte schaffen. Deshalb war die DIN Norm so erfolgreich. Das hat nichts mit Kartellen zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand. Die Autos der deutschen Hersteller weisen noch immer signifikante Unterschiede in Technik, Kosten, Design und Kundenanspruch auf. Auch der Wettbewerb ist da. Ich glaube man hat ein Thema für das Sommerloch gesucht und gefunden, um es weiter austreten zu können. Der Wahlkampf gibt ja nicht wirklich was her für die Medien. Der Drops ist gelutscht, also muss was Neues herhalten. Da kam das Thema gerade recht!

Frau Edelgard Kah

24.07.2017, 11:49 Uhr

Sehr geehrter Herr Votsmeier,

ich habe Verständnis dafür, dass Journalisten Ihre Leser unterhalten wollen. Aber welche Fakten liegen denn auf dem Tisch? Bei Lichte besehen nur die Selbstanzeigen. Den Inhalt der Absprachen kennen Sie nicht. Und wie die Absprachen rechtlich zu beurteilen sind, wissen Sie erst recht nicht.

Bei einem solch mageren Kenntnisstand verbietet es sich, wild darauf los zu spekulieren. "Gigantische Strafen" und eine "Krise der Autoindustrie" sind zwar durchaus möglich. Durchaus möglich ist auch ein Weltuntergang am 20. August. Aber bislang gibt es dafür keine Anhaltspunkte.
Bislang gibt es nur Ihre Spekulation.

Herr Frederic Bloch

24.07.2017, 12:03 Uhr

@Herr Hake: Das Problem ist doch nicht, dass Absprachen zur Vereinheitlichung Komponenten gemacht werden und so billiger hergestellt werden können, wo es eh keinen Unterschied macht. Wenn man sich über Abgasstrategien einigt, weil die Entwicklung zu teuer ist, wenn es jeder einzeln macht, ist auch kein Problem. Wenn sich aber allesamt absprechen, wie man Gesetze umgehen kann, und diese Maßnahmen zusammen entwickelt - dann ist das ein Problem und gehört bestraft. Aus Eigeninteresse sollten in diesem Land diese Konzerne nicht mit gigantischen Strafen belegt werden - das bezahlen am Ende nur die Steuerzahler - aber Personell muss hier rigoros durchgegriffen werden. Es werden sich Beweise finden lassen, wo diese Dinge abgesegnet wurden und diese Menschen müssen dafür zur Verantwortung gezogen werden. Die Schadstoffausstöße sind kein Kavaliersdelikt, wo es nur um "böse EU-Vorgaben" geht - sondern um die Gesundheit aller Bürger.

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