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19.01.2017

18:56 Uhr

Der Fall Martin Winterkorn

Wolfsburger Wahrheiten

PremiumAlles am Dieselskandal spitzt sich auf eine Frage zu: Was wusste Winterkorn? Doch von der versprochenen Aufklärung ist nicht viel übrig. Recherchen zeigen: VW hat auf einen riskanten Vernebelungsmodus umgeschaltet.

Peter Rigaud

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn

München/Berlin/WolfsburgMünchens Maximilianstraße steht für Luxusläden wie Zegna, Hermes, Chanel oder Dior. Doch auch jener Mann, der bis vor 16 Monaten Deutschlands mächtigster Manager war, unterhält heute an der edlen Einkaufsavenue ein Büro. Hier hat er in dieser Woche akribisch einen Auftritt vorbereitet, der sein lädiertes Image wieder liften soll. Mit Anwälten ging die einstige Wirtschaftsgröße Wort für Wort, Frage für Frage die anstehende Sitzung des Bundestags-Untersuchungsausschusses zur VW-Dieselaffäre durch. Die Juristen hatten Unterlagen aus internen Konzernsitzungen beschafft, die mit manipulierten Abgaseinrichtungen („defeat devices“) zu tun hatten.

Vollzug dann am Donnerstag. „Mein Name ist Martin Winterkorn“, sagt der Mann...

Kommentare (1)

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Herr Wolf-Dieter Siebert

20.01.2017, 09:46 Uhr

Bin mir nicht ganz klar ob es sich bei dem Artikel um Betroffenheitsjournalismus deutscher Moral-- und Tugendwächter handelt oder um hypokratische Interessensvertretung von Millionen auf "Entschädigung" hoffender "betrogener" Aktionäre und Autokäufer weil in Europa die gesetzlichen Grundlagen für juristische existenzgefährdende Megastrafen fehlen. Erwartet denn wirklich jemand vom Bundestagsausschuss Aufklärung? Da entrüsten sich Abgeordnete in den Kameras über das System von Gier und Macht und werden ganz bestimmt kein Wort über ihre gesetzgeberische Rolle über völlig unrealistische, nicht zu erfüllende Schadstoffvorgaben verlieren.
Jetzt stirbt der Diesel als einstiger Hoffnungsträger für geringern Verbrauch und damit Milliarden investierter Forschungs- und Entwicklungsgelder. Blöd, dass die bei VW so stümperhaft "Auswege" gesucht haben, denn getrickst haben ja wohl alle, halt nur nicht so, dass man gleich ins Gefängnis muss. Und das, obwohl Staat und Gewerkschaften eine unvergleichbare, gesetzlich garantierte Sonder- und Machtstellung in diesem Autokonzern geniesen. Nicht-Wissen gibt es eigentlich nur in der Politik. Natürlich weiss ein Unternehmensführer, insbesondere einer vom Schlage Winterkorn, was läuft. Es gehört aber auch zu seinem Stil und seiner Selbstsicht, dass er den Beschiss so schlecht gemanagt hat bzw. es überhaupt zum strafbewährten Betrug verkommen ließ. Und jetzt? Erwartet einer, dass Winterkorn durch Einlassungen oder Bekenntnisse nicht nur seine Betriebsrente und sein privates Vermögen auf dem Altar der "Warheit" opfert und dann noch 165 Jahre Gefängnis in den USA? Moralisch natürlich schon, aber realistisch? Und VW? Ein dann nicht mehr abzuwehrender symetrischer Schadensersatz für 12 Millionen "betrogener" europäischer Kunden bedeutet schlicht das Aus für den Konzern. Ist sogar fraglich, ob einzelne Automarken bei einer Zerschlagung gerettet werden können. Vielleicht Skoda und Seat als Opfer des gierigen deutschen Autobauers.

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