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04.02.2001

15:37 Uhr

dpa BERLIN/BRÜSSEL. Die Milliardenkosten zur Bekämpfung der BSE-Krise drohen nach Angaben von EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer den EU-Etat zu sprengen. "Wir sind bei den Agrarausgaben in einer angespannten Situation. Die Entwicklung ist alarmierend", sagte Schreyer der Zeitung "Die Welt" (Montagausgabe). Erst am Mittwoch hatte die EU-Kommission wegen BSE einen Nachtragshaushalt für 2001 in Höhe von umgerechnet rund 1,9 Mrd. DM vorgelegt. EU-Agrarkommissar Franz Fischler rechnet wegen der BSE-Krise mit zusätzlichen Kosten von bis zu sechs Mrd. DM.

Schreyer kündigte drastische Maßnahmen zur Stabilisierung des Rindfleischmarktes in der EU über ein Kälberschlachtprogramm an. Derzeit setze die EU-Agrarpolitik die falschen Anreize. Kälber würden "dick und fett" gefüttert, ehe sie geschlachtet werden. "Bei nachlassendem Rindfleischkonsum müssen die Anreize aber umgekehrt werden, um die Tiere möglichst früh zur Schlachtung zu bringen, oder noch besser: - aber das ist längerfristig - den Nachwuchs zu reduzieren."

Ethischen Bedenken gegen ein solches Programm hielt Schreyer entgegen: "Wann ein Tier geschlachtet wird - ein halbes Jahr früher oder später -, ist doch keine Frage der Ethik, sondern des Gewichts. Ethisch bedenklich ist es, wenn Tiere vernichtet werden müssen, weil keiner das Fleisch nachfragt." Deshalb sei es gerade auch aus ethischen Gründen notwendig, alles daran zu setzen, dass nicht immer weiter die gleiche Menge und Masse von Tieren gezüchtet werde.

Die geplante Vernichtung von rund 1,5 Mill. Rindern in der EU sei "inhaltlich wie finanziell ein trauriges Kapitel". Allerdings gibt es nach Ansicht der EU-Kommissarin keine Alternative dazu. Weitere Vernichtungsprogramme hält sie für nicht ausgeschlossen. Man werde sehen, ob die bislang vorgesehene Zahl von Rindern ausreiche. Von in Deutschland diskutierten Plänen, das Fleisch zunächst zu lagern, hält Schreyer wenig: "Auch wenn es zu Interventions-Käufen kommt, ist das doch nichts anderes als Vernichtung von Rindfleisch, dem nur eine lange Periode im Kühlhaus vorangegangen ist."

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