Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.01.2002

12:55 Uhr

Nach Antrag auf Gläubigerschutz

Rettung von Global Crossing bleibt ungewiss

Damit die nächste Riesen-Pleite in den USA abgewendet werden kann, müssen die Banken mitspielen. Auch der Deutschen Telekom könnte eine Rolle zufallen.

HB/WSJ PHILADELPHIA. Die Rettung des unter Insolvenzrecht stehenden US-Telekommunikationsunternehmens Global ist ungewiss. Zwar haben Hutchison Whampoa Ltd, Hongkong, und der Singapore Technologies Telemedia vor dem Bundesgericht in New York eine Absichtserklärung über eine Sicherheitsleistung in Höhe von 750 Mill. $ unterzeichnet, doch müssen auch andere Interessenten Gelegenheit bekommen, ihr Gebot zur Übernahme von Firmenanteilen zu platzieren, das meldete das Wall Street Journal.

Auch andere Bieter haben Interesse

Die Zeitung berichtet, dass neben Verizon, SBC Communications auch die Deutsche Telekom unter den Bietern sein könnte. Ein Sprecher der Deutschen Telekom wollte auf Anfrage zu dieser Meldung keine Stellung nehmen, sie aber auch nicht dementieren.

Mit seinem Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Konkursgesetzes hatte Global am Montag in New York die größte Pleite eines Telekommunikationsunternehmens in der US-Firmengeschichte ausgelöst. Das Unternehmen benötigt neben neuen Investoren zusätzlich die Unterstützung der großen Banken, um die angestrebte Restrukturierung durchführen zu können. Sollten die beteiligten Institute dazu nicht bereit sein, könnte es zu einer Liquidation des Unternehmens kommen, berichtet das Wall Street Journal.

Zustimmung der Banken nicht grenzenlos

Die Zustimmung der Banken werde aber kaum weiter gehen, als bis zu einer Reduzierung der die Global betreffenden Bankenverbindlichkeiten und Bonds in einem Volumen 9 Mrd. $, heißt es unter Analysten. Von Lehman Brothers wurde darauf verwiesen, das Global in den zurückliegenden zwei Jahren rund 4,2 Mrd. $ investiert hat und 2002 Investitionen über rund 1,0 Mrd. bis 1,25 $ vorsieht. Unter Insolvenzrecht sei es aber verboten, für Ausrüstungen und Dienstleistungen solange Aufwendungen zu betreiben, wie Chapter 11 gilt.

Analysten von ING Barings Charterhouse teilten ihren Kunden am Dienstag mit, dass sechs führende Banken 2,25 Mrd. $ an vorrangigen Verbindlichkeiten der Global halten. Darunter sind Namen wie Barclays plc, JP Morgan Chase, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs und Merrill Lynch & Co. Nach einem Gespräch mit Global bemängelte ING Barings Charterhouse, das gegebene Informationen nur "anekdotenhaft" gewesen seien. Es seien keinerlei Angaben dazu gemacht worden, ob und in welcher Höhe die Verbindlichkeiten besichert seien oder wie dies gegebenenfalls unter den sechs Banken aufgeteilt sei.

Von Barclays liegt zurzeit keine Stellungnahme vor. Gleichfalls haben sich große europäische Banken und Versicherer bisher nicht zu ihrer möglichen Verwicklung geäußert. Darunter sind die britische Abbey National plc und die niederländischen Aegon NV und ING Groep NV.

Die Münchener Rückversicherungs AG, -Gesellschaft München, hat erklärt, sie halte einige Titel über ihr Kreditversicherungsgeschäft an Global ohne diese jedoch näher zu quantifizieren. Eine Sprecherin der Münchener Rück sagte, zurzeit müsste das Ausmaß einer möglichen Betroffenheit noch geprüft werden. Von Merrill Lynch hieß es in London, Global sei "ein weiteres Beispiel für schlechte Nachrichten über Kreditverluste" und werde Provisionen nötig machen.

Ein in Hongkong ansässiger Analyst verwies darauf, dass Hutchison Whampoa sich aus der genannten Vereinbarung über eine Sicherheitsleistung für Global wieder herausziehen könnte. "Es ist nur ein Letter of Intent, und ich kann mir nicht denken, das Hutchison ein hochverschuldetes Unternehmen kaufen wird", sagte er.

Andererseits habe Hutchison aber auch Interesse daran, Global zu stützen. So bestehe ein Joint Venture mit Asia Global Ltd, über das Kapazitäten und Internetdienste in Hongkong gewährleistet seien. Asia Global sei auch nicht Teil der Aktiva, die unter Chapter 11 fielen. Hutchison hält 400 Mill. $ an wandelbaren Bonds an der Global die bei Bildung des Joint Ventures akquiriert wurden und nun durch die angestrebte Umschuldung wertlos werden könnten.

Krise kündigte sich an

Global leidet unter einem rasanten Preisverfall für ihre Datenleitungen, mit denen sie 200 Städte in 27 Ländern verbindet. Bereits im dritten Quartal machte Global rund 3,4 Mrd. $ Verlust und strich 3200 Stellen. Seit August gab es Marktspekulationen über eine baldige Insolvenz des Konzerns.

Seit ihrem Höchststand von 23,75 $ im Februar 2001 verloren Global-Aktien fast 99 Prozent ihres Wertes. Am vergangenen Freitag schlossen sie vor Handelsaussetzung bei 0,51 $. Der letzte außerbörsliche Kurs am Montag wurde bei 0,30 $ notiert. Auch im deutschen Xetra-Handel gaben Global-Aktien teilweise mehr als die Hälfte auf 0,48 Euro nach. Die Rating-Agentur Standard & Poor's stufte die Global-Anleihen auf Junk-Bond-Status ("junk" für englisch: Ramsch) herab.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×