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19.03.2003

14:28 Uhr

Nach Befreiung nun Besetzung

Experten: Straßen werden zum Kriegsschauplatz

War im ersten Irak-Krieg 1991 noch die Wüste das Schlachtfeld, so könnten es bei dem neuen Waffengang die Straßen der Hauptstadt Bagdad sein. "Dieses Mal werden sie (die Alliierten) bis in die Höhle des Löwen vorstoßen müssen. Die Möglichkeit eines Stadtkrieges ist sehr real", sagt Oberst Christopher Langton vom Internationalen Institut für Strategische Studien in London.

Reuters LONDON. "Letztes Mal haben die Alliierten die Iraker aus einem befreundeten arabischen Land geworfen. Diesmal ist es ganz anders - sie marschieren ein", sagt Langton mit Blick auf die Befreiung Kuwaits 1991.

Auch nach Ansicht des Verteidigungsexperten Paul Beaver werden bei dem neuen Golfkrieg völlig andere Taktiken angewandt - begünstigt von einer Kriegstechnologie, die in den vergangenen zehn Jahren enorme Fortschritte gemacht habe. "Die britischen und amerikanischen Bodentruppen können dieses Mal auch nachts kämpfen", sagt Beaver.

90 % der heutigen Waffen seien Präzisionswaffen, im Vergleich zu nur neun Prozent 1991. Der Krieg könnte ein kurzer werden, "vielleicht 28 Tage", meint Beaver. Wenn er sich jedoch zum Straßenkampf entwickle, dürfte die Zahl der getöteten US-Soldaten von rund 150 beim letzten Krieg auf 500 steigen.

Nach übereinstimmender Ansicht der Experten dürften die USA den Krieg mit einem intensiven zweitägigen Bombardement aus der Luft beginnen, wo sie kaum Gegenwehr zu befürchten haben. Die Iraker besitzen nach Beavers Angaben rund 120 einsatzfähige Flugzeuge, jedoch mit veralteter Technologie aus den 80er Jahren. Größerer Gefahr sind dagegen die Hubschrauber ausgesetzt, wie Tim Ripley meint, Verteidigungsexperte an der Universität Lancaster. "Bodentruppen brauchen viele Hubschrauber und die müssen niedrig fliegen".

Auch im Straßenkampf könnte der ganze technologische Vorteil der Briten und Amerikaner unwichtig werden, sagte Ripley. "Das Albtraum-Szenario wäre eine Lage wie in Beirut 1982 beim Blitzkrieg Israels im Libanon, als die Israelis herausfanden, dass sich die Palästinenser nicht ergeben würden. Sie mussten drei Monate aushalten. Es war alles ziemlich schmutzig".

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