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09.01.2003

08:21 Uhr

Nach dem Kauf des Deutsche-Bank-Pakets spekuliert die Börse auf eine Übernahme

Für Buderus zahlt Bosch nicht jeden Preis

VonThomas Luther

"Same procedure as last year", mag sich manch Börsianer gedacht haben, als er am ersten Handelstag des neuen Jahres auf den Kurs der Buderus-Aktie schaute. Der legte nämlich deutlich zu, nachdem die Stuttgarter Robert Bosch GmbH bekannt gegeben hatte, dass sie durch die Übernahme eines 7,47 %igen Aktienpakets von der Deutschen Bank zum zweitgrößten Aktionär bei Buderus geworden ist.

Bereits Ende vorgegangenen Jahres hatte der Automobilzulieferer versucht, eine größere Beteiligung am Heizungsspezialisten aufzubauen: Doch die Verhandlungen mit Bilfinger & Berger (B&B), das gut 30 % an Buderus hält, und der Commerzbank (gut 10 %) verliefen ergebnislos.

Nun spekulieren die Anleger darauf, dass Bosch mit dem jüngsten Deal erneut zum Angriff auf Buderus bläst. Ihr Kalkül: Wenn der Anteil der Stuttgarter (derzeit 13,35 %) die Schwelle von 30 % überschreitet, müssen sie nach dem seit 2002 geltenden Übernahmegesetz auch den freien Aktionären ein Kaufangebot unterbreiten, das sie nicht schlechter stellen darf als die abgabenwillige Großaktionäre.

Die Vorzeichen dafür sind nicht einmal schlecht, denn die Commerzbank könnte es der Deutschen Bank gleichtun und sich von Beteiligungen trennen. Die Liquiditätsspritze käme dem Geldhaus angesichts der angespannten Finanzlage wohl ebenso recht wie dem Baukonzern, der intern ebenfalls an einigen Baustellen werkelt. Erklärungen beider Unternehmen, sich von ihrem Anteilen zu trennen, wenn nur der Preis stimmt, sind deshalb ernst zu nehmen. Die Frage ist nur: Wo liegt dieser Preis?

Die Bosch-Verantwortlichen bleiben cool und betonen bislang, dass ihr Engagement rein finanzieller Natur sei. Das glaubt an der Börse natürlich niemand. Zu deutlich ist ihr anhaltendes Interesse an dem MDax-Wert. Und wer gibt schon 100 Mill. Euro für gut 7,5 % an einem Nischenkonzern ohne strategische Absichten aus? Da locken zurzeit wahrlich bessere Chancen an der Börse. Zudem sind sich die Analysten relativ einig darüber, dass der Einstieg für Bosch Sinn macht. Dadurch würde man weniger abhängig vom zyklischen und margenarmen Zuliefergeschäft für die Automobilindustrie.

Doch Schwaben sind bekanntermaßen sparsame Leute und so kann man den Bosch-Managern wahrlich nicht vorwerfen, sie hätten bei dem Deal mit der Deutschen Bank mit Geld um sich geworfen. Auch wenn die Geschäfte des Heizungsbauers nicht mehr so flott laufen wie in den Vorjahren, haben sie mit einem Preis von 21,25 Euro pro Aktie für jeden Euro Umsatz des Heizungsbauers etwas mehr als 70 Cent bezahlt. Etwas schlechter kommen sie mit ihrem Gebot in Relation zur Profitabilität von Buderus weg. Die Umsatzrendite der Wetzlarer wird 2002 erstmals seit Jahren wieder sinken, ist mit 9 % aber immer noch ansehnlich. Die Konsensschätzungen der Analysen für das Ergebnis je Aktie liegen bei 1,67 - das entspricht einem bezahlten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,7. Die Experten rechnen jedoch 2003 mit einem Gewinn pro Aktie von 1,80 Euro, im kommenden Jahr sollen es sogar 2,11 Euro werden. Auf dieser Basis erscheint das KGV 11,8 beziehungsweise 10,1 schon ungleich günstiger. Auf Basis des aktuellen Kurses von rund 25 Euro sieht dagegen der Wert nicht mehr so billig aus.

Hinter den verbesserten Gewinnprognosen verbirgt sich die Hoffnung, dass sich neben Kostensenkungsmaßnahmen endlich die Sondereffekte der ab November 2004 in Deutschland geltenden Bundesimmissionsschutzverordnung bemerkbar machen. Dadurch müssen in Deutschland Tausende von älteren Heizungsanlagen ausgetauscht werden. Marktführer Buderus, der in der Heiztechnik-Sparte gut zwei Drittel seines gesamten Umsatzes erzielt, soll davon besonders profitieren. Doch was ist, wenn der Aufschwung nicht kommt, weil den Hausbesitzern längere Übergangsfristen gewährt werden? Oder die angekündigte Akquisitionen im europäischen Ausland nicht so recht vorankommen wie angekündigt? Dann könnte sich noch die eine oder andere günstige Möglichkeit für die Stuttgarter ergeben, zuzugreifen. Sie haben jedenfalls bewiesen, dass sie warten können.

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