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11.02.2002

19:00 Uhr

Nach dem starken Anstieg des Edelmetallpreises steigt das Risiko eines Kursrückschlags

Bei Goldaktien kühlen Kopf bewahren

VonWolfgang Drechsler und Udo Rettberg

Seit den 90-er Jahren wurden die Aktien der Goldförderer von vielen Anlegern verschmäht. Als Gegenpol zu den heiß begehrten IT-Werten erschienen die Titel den Investoren offenbar als Relikte aus einer Zeit, als das Edelmetall weltweit noch als krisenfeste Anlage galt. Dies hat sich nun wieder geändert, doch die Experten raten zur Vorsicht.

JOHANNESBURG/FRANKFURT. Goldaktien erleben seit einigen Monaten weltweit eine Renaissance. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten hat Gold wieder als Alternative ins Spiel gebracht - zumindest ansatzweise. Besonders eindrucksvoll ist die Entwicklung in Südafrika und in Australien.

In Südafrika profitieren die Goldfirmen von dem Anstieg des Feinunzenpreises, aber auch vom schwachen Rand. Denn während die Firmen vom Kap für das geförderte Gold (harte) Dollar erhalten, fallen ihre Lohn- und Produktionskosten in (weichen) Rand an. Die hohen Margen der Firmen spiegeln sich an der Johannesburger Börse (JSE) wider: Seit Jahresbeginn hat der JSE-Goldindex den Gesamtindex um fast 35 % übertroffen. Und der Goldindex der Australian Stock Exchange (ASX) ist um 26 % in die Höhe geschossen. Gegenüber dem Tief 2001 weist er sogar ein Plus von 97 % auf.

Der überproportional starke Anstieg südafrikanischer Goldwerte liegt auch darin begründet, dass diese eng an den Goldpreis gekoppelt sind und eine Art Hebelwirkung einsetzt: Wenn der Preis wie zuletzt um 10 % steigt, verbuchen manche Titel Zuwachsraten von über 20 %. Zu den Favoriten der Anleger gehört dabei Gold Fields. Die Gesellschaft hat das beste Quartalsergebnis aller Goldfirmen vom Kap vorlegt. Der zweitgrößte Produzent Südafrikas konnte den Gewinn verdreifachen und die Produktion weiter steigern.

Weniger hohe Zugewinne verzeichneten die Aktien von Anglogold, das traditionell einen Großteil seiner Produktion zur Absicherung auf Termin verkauft und daher weniger stark auf die Preisausschläge reagiert. Allerdings will der Konzern seine Absicherungsgeschäfte künftig um etwa ein Drittel reduzieren. Dies gilt als Indiz dafür, dass der zweitgrößte Goldproduzent der Welt mit einem Anstieg oder zumindest einer Preisstabilisierung rechnet. Honoriert haben die Anleger, dass Anglogold die Cashkosten je Unze von 213 $ (2000) auf 178 $ (2001) senken konnte; 2002 sollen es nur noch 154 $ sein. Damit würde es fast an den kanadischen Produzenten Barrick heran reichen, der unter den Gold-Schwergewichten die niedrigsten Abbaukosten hat und wegen der hohen Rentabilität als Klassenprimus gilt.

Warnung vor übertriebener Euphorie

Trotz der günstigen Konstellation warnen Experten vor übertriebener Euphorie. Gold muss erst einmal das höhere Niveau - gestern pendelte es um 300 $ - behaupten. Besonders verzerrt ist das Bild in Südafrika, wo schon eine leichte Erholung des Rands zu stärkeren Rückschlägen der Aktien führen könnte. Analyst David Shapiro von SG Securities in Johannesburg hält das Aufwärtspotenzial für begrenzt. Zudem seien Titel wie Gold Fields oder Harmony schon fast so teuer wie ihre traditionell höher bewerteten Konkurrenten in Nordamerika. Diese hätten aber ein geringeres Länderrisiko. Ähnlich sieht es Leon Esterhuizen, Edelmetallspezialist bei UBS Warburg: "Je höher der Goldpreis, desto größer wird das Risiko eines Rückschlags".

Auch bei australischen Goldaktien geben sich die Analysten und Top-Manager der Minengesellschaften eher zurückhaltend. Die Experten von Goldman Sachs zeigen auf, dass sich Preissprünge von etwa 20 $ seit 1996 stets als kurzes Aufflackern im Baissemarkt herausstellten. Bereits zwei Monate später waren die Preise regelmäßig wieder kräftig zurückgefallen. Zahlreiche andere Faktoren machen den Gold-Fans jedoch Mut, dass diesmal alles anders sein könnte. So verweisen die Fachleute des australischen Brokerhauses Macquarie neben den steigenden Goldnotierungen vor allem auf den sich beschleunigenden Konzentrationsprozess bei den Goldminengesellschaften.

Australiens Normandy Mining rückte dabei zeitweise in den Mittelpunkt, als sich Südafrikas Anglogold und die amerikanische Newmont Mining eine Übernahmeschlacht lieferten, aus der Newmont als Sieger hervorging. Nachdem Anglogold im Kampf um Normandy nicht mehr bietet, empfiehlt Brian Christie, Wertpapier-Analyst bei Canaccord Capital, den Anlegern, die Newmont-Offerte zu akzeptieren.

"Die globale Konsolidierung in der Goldbranche ist in vollem Gange", sagt Axel von Rosen von Macquarie. Südafrikas Goldminen seien auf der Suche nach Reserven außerhalb ihrer Landesgrenzen. "Nordamerikanische Minen werden den niedrigen Australdollar sowie die geringe Bewertung nutzen und den Ausverkauf vorantreiben", sagt von Rosen.

Zu Beginn dieser Woche wurde die Übernahmephantasie der Anleger neu entfacht, als Kanadas Minenhaus Placer Dome Interesse an einer Übernahme der australischen Minengesellschaft Aquarius Platinum nachgesagt wurde. Man habe Gespräche geführt, diese aber wieder abgebrochen, so ein Aquarius-Sprecher. Der Konzentrationsprozess wird auch an folgenden Transaktionen deutlich. Western Mining hat seine Goldinteressen an Südafrikas Gold Fields veräußert.

Australiens Delta Gold fusionierte mit Goldfields Australia. Von den großen Goldminen seien nur noch Lihir Gold, Newcrest Mining, und Goldfields übrig. "Unser Favorit unter Australiens großen Goldminen ist Goldfields", sagt von Rosen. Auch die Zahl der kleinen Minen schrumpft weiter. Hill 50 Gold wurde von Südafrikas Harmony und Croesus Mining von Central Norseman Gold übernommen.

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