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19.02.2002

20:26 Uhr

Nach den gescheiterten Fusionsgesprächen mit Hynix und Toshiba halten Analysten eine Allianz bei Speicherchips weiterhin für sinnvoll

Infineon muss Partnersuche auf Taiwan konzentrieren

VonJoachim Hofer

Zwei schwere Schlappen für Infineon in kurzer Zeit: Sowohl mit Hynix als auch mit Toshiba sind Fusionsgespräche gescheitert. Letzte Chance für Konzernchef Schumacher ist eine Allianz mit Taiwanesen.

MÜNCHEN. Ulrich Schumacher ist weiter auf Partnersuche. Für den Chef der Münchener Infineon Technologies AG wird es allerdings immer schwieriger, eine Allianz für den hoch defizitären Speicherchip-Bereich (DRAM) auf die Beine zu stellen. Nachdem die Verhandlungen mit der japanischen Toshiba und der koreanischen Hynix gescheitert sind, rechnen Experten nun mit einem Zusammenschluss mit einem taiwanesischen Halbleiter-Hersteller. Die Zeit drängt: Nur mit einem Partner kann Schumacher den Marktanteil schnell steigern und die Wettbewerbsposition ausbauen.

"Toshiba wäre der ideale Partner gewesen. Von der Technik her sind jetzt nur die drei kleineren taiwanesischen Chip-Produzenten potenzielle Partner", betont Günther Hollfelder von der Hypo-Vereinsbank. Im Klartext: Für Infineon kommen nun Mosel Vitelic, Winbond und Nanya Technology in Frage. Mit allen drei spreche Infineon über eine Kooperation, sagte Schumacher bereits im Dezember. Ob man weiter in Kontakt sei, wollte ein Sprecher gestern aber nicht bestätigen. In Unternehmenskreisen heißt es, eine Zusammenarbeit insbesondere mit Winbond und Nanya sei wegen der technologischen Übereinstimmung nur "logisch".

"Die Taiwanesen sind ernsthafte Kandidaten", findet auch Oliver Wojahn von der Berenberg Bank. Der Hamburger Analyst geht davon aus, dass Infineon durch eine Kooperation den Marktanteil merklich steigern könnte. Gegenwärtig liegt Infineon mit etwa 14 % weltweit auf dem vierten Rang. Erklärtes Ziel von Infineon ist es, auch aus eigener Kraft 15 bis 20 % zu erreichen. Marktfüher ist der koreanische Hersteller Samsung.

Die gesamte Halbleiter-Branche wartet seit Monaten auf einen Zusammenschluss von Unternehmen, um Überkapazitäten zu beseitigen. Darüber hinaus könnte Infineon mit einer Kooperation die Entwicklungskosten senken. "Eine Zusammenarbeit ist schon deshalb nützlich, weil jeder neue Technologieschritt immer teurer wird," unterstreicht Berenberg-Analyst Wojahn. Im letzten Geschäftsjahr sind die Einnahmen aus Speicherchips bei Infineon wie bei allen Herstellern eingebrochen. Die Preise fielen weit unter die Produktionskosten. Erst in den vergangenen Wochen konnten die Hersteller wieder etwas mehr verlangen. Noch immer schreiben die Deutschen allerdings tief rote Zahlen: Die gesamten Kosten für einen 128 Mb-Standard-Speicherchip liegen derzeit bei etwa 5,7 $. Der höchste Verkaufspreis der vergangenen Tage betrug 4,5 $. Dies ist freilich schon eine beträchtliche Steigerung gegenüber den Tiefständen vom vergangenen Jahr, als weniger als 1 $ bezahlt wurde.

Infineon selbst hat wiederholt betont, auch alleine stark genug zu sein. Dem stimmt Hypo-Vereinsbank-Experte Hollfelder zu: "Das Überleben von Infineon hängt nicht davon ab, ob das Unternehmen einen Partner im DRAM-Bereich findet." Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 trug der Speicherbereich 28 % zum Umsatz bei. Im Vorjahr war es noch fast die Hälfte aller Einnahmen gewesen. Statt eines Gewinns vor Steuern und Zinsen von 1,3 Mrd. Euro wie 2000 rutschte der Bereich mit mehr als 900 Mill. Euro in die roten Zahlen.

Einige Analysten empfehlen deshalb, ganz aus der Produktion von Speicherchips auszusteigen. Wettbewerber wie Toshiba und IBM haben sich aus dem stark konjunkturabhängigen Massengeschäft bereits weitgehend verabschiedet.

"Infineon sollte die weniger schwankenden Bereiche ausbauen", empfiehlt Hollfelder. Auch Analyst Wojahn ist skeptisch: "Es ist zweifelhaft, ob sich das Speicher-Geschäft über einen kompletten Zyklus rechnet. Geld wird jedenfalls nur verdient, wenn die Kapazitäten ausgelastet sind." Davon ist Infineon aber weit entfernt. Dennoch sieht Schumacher die Sparte als Kerngeschäft neben dem Automotive- und Kommunikations-Bereich.

Auch für diese beiden Felder ist Infineon auf Partnersuche und hat darüber sogar mit Hynix verhandelt - letztlich aber ohne Erfolg. Im Rennen um Hynix ist mittlerweile nur noch die US-Firma Micron.

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