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10.01.2002

19:00 Uhr

Nach der größten Krise in der Geschichte zeichnet sich bei den Umsätzen und Erträgen ein Boden ab

Chipwerte bleiben trotz Rally attraktiv

VonUlf Sommer

Gut 100 % legten die Kurse vieler Halbleiter-Unternehmen in den vergangenen Wochen zu. Anleger setzen auf den Aufschwung. Analysten prophezeien weitere Kursgewinne und empfehlen vor allem Intel, Samsung und Infineon zum Kauf. Branchenverbände rechnen mit keinem schnellen Ende der größten Krise in der Chipindustrie.

HB DÜSSELDORF. Die Halbleiterbranche sieht immer mehr Licht in dem noch düsteren Chiptunnel. Nach einem Umsatzeinbruch von über 30 % im vergangenen Jahr erwartetet der Branchenverband Semi, dem weltweit 2 400 Unternehmen angehören, eine Stabilisierung auf oder knapp unter dem Niveau von 2001. Es dauere allerdings länger als in den voran gegangenen Krisen, bis es wieder zu einer deutlichen Erholung komme, sagte Moshe Handelsman, Präsident des Martforschungsinstitutes Advanced Forecasting. Davon geht auch der Zentralverband Elektronik und Elektroindustrie (ZVEI) aus. Erst 2005 werde das hohe Wachstumsniveau aus dem Jahr 2000 wieder erreicht, meint Wolfgang Hofmann, Vorstandsmitglied des ZVEI-Fachverbandes Bauelemente.

Wichtige Kennzahlen signalisieren eine Bodenbildung auf niedrigem Niveau. Das Book-to-Bill-Ratio - das Verhältnis zwischen Auftragseingängen und ausgelieferter Ware - ist seit August fast kontinuierlich gestiegen. Basis dafür ist allerdings, dass noch weniger Waren als in den Sommermonaten ausgeliefert wurden. Dadurch verbesserte sich die Relation zwischen Aufträgen und Lieferung. Die Abschwächung im Sektor dauert an. Lediglich das Tempo verlangsamt sich.

Trotz dieser sehr verhaltenen Aussichten sind Chipaktien in den vergangenen Monaten rasant gestiegen. Intel verdoppelte sich seit Ende September an Wert. Infineon legte gar 150 % zu. Und Analysten sind zuversichtlich, dass die Rally noch nicht zu Ende ist. "Bei anspringender Wirtschaft - und davon gehen wir aus - werden Chipaktien weiter laufen", ist Klaus Lüpertz von HSBC überzeugt. Auf Basis der nächsten zwölf Monate ist für ihn neben der ST Microelectronics ("starkes Management, guter Unternehmensausblick, breit aufgestellt und sehr solide Bilanz") Infineon ein "Kauf". "Bei der Siemens-Tochter gibt es einen extremen Hebel in der Gewinnentwicklung aufgrund der starken Ausrichtung auf DRAM-Chips. Mit der neuen 300-Millimeter-Produktion reduziert Infineon die Kosten um rund 30 %", glaubt Lüpertz.

Steigende Chippreise beflügeln Fantasie

Hintergrund für den Optimismus sind die zuletzt gestiegenen Chippreise: So kostet ein 128-Megabit-Speicherchip - die Benchmark - auf dem Spotmarkt derzeit gut 3 $. Anfang November wurden gerade 1 $ bezahlt (siehe Chart unten). Doch auch 3 $ decken nicht die Herstellungskosten. Die zuletzt hohen Verluste zwangen Infineon, sich mit einer milliardenschweren Wandelanleihe frisches Kapital zu beschaffen. Bereits Ende vergangenen Jahres hatte sich der deutsche Chiphersteller mit der Ausgabe neuer Aktien Geld besorgt.

Die meisten Investmenthäuser vertrauen der Strategie und empfehlen Infineon zum Kauf. Lehman Brothers, UBS und West LB hoben in den vergangenen Tagen ihre Kursziele auf 30 bis 35 ? an. Gestern notierte die Aktie bei 25 ?. Unisono begründen die Analysten ihre Prognosen mit der Konsolidierung auf dem Markt der Speicherchips. Doch auch die Bereitschaft der angeschlagenen südkoreanischen Hynix, einen Großteil des Kerngeschäfts an den US-Konkurrenten Micron zu verkaufen, führt zu optimistischeren Prognosen. "Endlich zeigen die Unternehmen Kooperationsbereitschaft, um Überkapazitäten abzubauen", lobt HSBC-Analyst Lüpertz.

Fast nur Kaufempfehlungen erhalten zwei große Wettbewerber: Samsung und Intel. Beide Unternehmen erwirtschaften auch in der gegenwärtigen Krise Gewinne. Bei den Koreanern überzeugt Analysten die verhältnismäßig niedrige Kursbewertung, die sich in einem moderaten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,9 auf Basis des laufenden Jahres niederschlägt. Merrill Lynch rät deshalb zum "starken Kauf".

Intel steht am kommenden Dienstag im Bann der Anleger: Der US-Gigant legt Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2001 vor. Die von der Finanzagentur Thomson Financial/First Call befragten Analysten erwarten durchschnittlich elf Cent pro Aktie. Dresdner Kleinwort Wasserstein, Wells Fargo, Prudential, Morgan Stanley, Salomon Smith Barney und UBS rieten in den vergangenen Tagen zum Kauf. "Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich dass Geschäft von Intel zum Ende des vierten Quartals stark entwickelt hat", meint Jonathan Joseph von Salomon Smith Barney.

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