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26.01.2007

16:06 Uhr

Nach Fusion mit Euronext

New Yorker Börse will Asien erobern

VonHermann-Josef Knipper

Der Vorstandschef der New Yorker Börse, John Thain, will "in Kürze" neue Details der geplanten Zusammenarbeit mit der Tokioter Börse bekanntgeben. Das kündigte Thain am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos an. Dort beschrieb er auch seine Vorstellung der Börsenwelt von morgen. Dort hat auch die Deutsche Börse ihren Platz - aber keinen sonderlich guten.

Die New Yorker Börse hat große Pläne. Foto: ap

Die New Yorker Börse hat große Pläne. Foto: ap

DAVOS. Thain sprach nur von "some links", ohne diese näher erläutern zu wollen. In den letzten Tagen war bekannt geworden, dass der Tokioter Börsenchef bald nach New York reisen will, um zum Beispiel einen gemeinsamen 24-Stunden-Handel zu besprechen.

Die japanischen Avancen der führenden Weltbörse an der Wall Street demonstrieren, dass Thain sich und den Wettbewerbern bei der Umsetzung seiner Globalisierungsstrategie keine Atempause gönnen will. In Europa hat er vor wenigen Tagen die Fusion mit der Vierländerbörse Euronext unter Dach und Fach gebracht. Das ganze Jahr 2007 über will er sich um die Integration und das Heben der Synergieeffekte mit Euronext kümmern. Ob er sich danach ein weiteres Mal um die Londoner Börse bemühen würde, falls das gerade laufende Übernahmeangebot der Nasdaq scheitern sollte, ließ Thain in Davos ganz bewusst offen. Auf Nachfrage bot er der Mailander Börse, deren Kooperationsverhandlungen mit der Deutschen Börse im Herbst 2006 scheiterten, die Integration in den Euronext-Verbund an.

Thains Blick geht aber längst über Europa hinaus - nach Asien. Sein nächster Schritt ist die schrittweise Annäherung an die Tokioter Börse, die noch nicht selbst börsennotiert und daher noch nicht für eine Kapitalbeteiligung der Amerikaner offen ist. Thain: "Tokio ist der natürliche Partner für Nyse-Euronext in Asien". Langfristig sei eine Kapitalverflechtung das Ziel. Darüber hinaus wolle die Nyse möglichst rasch in Indien und China Fuß fassen. In Indien sei die Nyse bereits mit dem derzeit möglichen Maximalanteil von 5 Prozent an der Börse beteiligt, wolle dies aber ausbauen. Thain: "In China ist das im Moment noch nicht möglich, aber wir rechnen auch hier mit einer schrittweisen Öffnung, und das werden wir nutzen."

Deutsche Börse nur "lokaler Player"

An Selbstbewusstsein mangelt es Thain nicht: "Wir sind die Nummer eins der wenigen Börsen, die einen globalen Anspruch haben, und wir werden es bleiben", sagte er. Als weiteren Global-Player sieht er seinen New Yorker Konkurrenten Nasdaq, für den die Übernahme der LSE sehr wichtig sei, während die Londoner Börse selbst gut ohne die Nasdaq auskomme, da die LSE nach der Nyse die "zweitbeste Börsenmarke der Welt" sei. Die Deutsche Börse, deren Fusionspläne mit Euronext scheiterten, sieht Thain zur Zeit als "guten lokalen Player". Frankfurt habe aber auch noch die Möglichkeit, auf der internationalen Bühne mitzuspielen, nur sei bisher keine Strategie erkennbar.

Den Trend, dass immer mehr Börsengänge nicht in New York, sondern in London stattfinden, da die US-Märkte als überreguliert gelten, sieht Thain. Er gibt sich aber optimistisch, dass dieser Gegenwind bald nachlässt: "Die Regeln, die sich in letzter Zeit bei Investoren als abschreckend erwiesen haben, werden kurzfristig geändert. Es gibt klare Signale seitens der Börsenaufsicht SEC und aus dem US-Kongress."

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