Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.02.2001

21:28 Uhr

"Nach Greenspan-Rede ist die Phantasie aus dem Markt"

Tech-Werte und US-Börsen belasten deutsche Aktien

Der Dax schloss 1,2 % schwächer bei 6 479 Punkten. Die Kurse am Neuen Markt rutschten um durchschnittlich 5 % ab.

Reuters FRANKFURT. Europaweite Kurseinbrüche bei den Technologie- und Telekommunikationswerten sowie schwache Vorgaben aus den USA haben am Mittwoch die deutschen Aktienmärkte belastet. Die Stimmung zusätzlich eingetrübt hätten Äußerungen von US-Notenbankchef Alan Greenspan vom Vortag, mit denen er die Hoffnungen auf Zinssenkungen gedämpft habe, sagten Händler. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss 1,2 % schwächer bei 6 479 Punkten. Die Aktie der Deutschen Telekom stürzte um 5,9 % auf 28,30 Euro ab und fiel damit auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Zugelegt hätten lediglich die Papiere großer Industriekonzerne, die von den Anlegern als "sicherer Hafen" gesucht gewesen seien, hieß es. Der Neue Markt für Wachstumstitel rutschte um durchschnittlich 5 % ab.

"Nach der Greenspan-Rede gestern ist die Phantasie aus dem Markt", sagte ein Händler. Nachdem der Fed-Chef keine drastische Abkühlung des US-Wirtschaftswachstums in Aussicht gestellt habe, rechne man am Markt nicht mehr mit größeren Zinssenkungen.

Im Mittelpunkt der deutschen Standardwerte stand die T-Aktie. Die Titel schlossen mit einem Abschlag von 5,9 % bei 28,74 Euro und ging damit als größter Verlierer aus der Sitzung. Händler führten die Talfahrt auf Spekulationen zurück, Konzernchef Ron Sommer könne zurücktreten. Über den Wahrheitsgehalt der Gerüchte äußerten sich Händler skeptisch. "Die Probleme der Telekom sind nicht Sommer-spezifisch, deshalb glaube ich nicht an einen Rücktritt", sagte ein Händler. Zudem solle nach Angaben eines Händlers eine große Investmentbank das Kursziel für die T-Aktie auf 21 Euro gesenkt haben. Börsianern zufolge standen die europäischen Telekom-Werte nach dem schwachen Börsendebut des französischen Mobilfunkunternehmens Orange insgesamt unter Druck.

Kursverluste bei den Technologiewerten SAP, Infineon, Epcos und Siemens, die um bis zu 4 % nachgaben, begründeten Händler mit den schwachen Nasdaq-Vorgaben.

Zu den größten Kursgewinnern gehörten die Aktien von Metro, Preussag und BMW, die im Schnitt um 1,7 % gewannen. Händler führten den Aufschlag auf die derzeitige Vorliebe der Marktteilnehmer für defensive Titel zurück. "Bei der momentanen Technolgieschwäche parken die Anleger das Geld in konservativen Werten", sagte ein Frankfurter Händler. Die Reform zur betrieblichen Mitbestimmung, die am Mittwoch von der Regierung auf den Weg gebracht worden war, habe indes keine Auswirkungen auf den Aktienmarkt.

Der MDax schloss nahezu unverändert bei 4 847 Zählern.

Die schwache Nasdaq-Vorgabe setzte die deutschen Wachstumstitel stark unter Druck. Der alle Werte umfassende Nemax-Al-Share verlor 4,3 %, der Blue-Chip-Index Nemax 50 schloss mit einem Minus von 5,7 %. Das Schwergewicht Mobilcom setzte seine Talfahrt vom Vortag fort und markierte am Mittwoch einen neuen Jahrestiefststand mit 23,75 Euro. Händler führten die Entwicklung auf die schlecht aufgenommenen Geschäftszahlen vom Dienstag zurück. Diese wirkten aufgrund der Zeitungsberichte in den Mittwochzeitungen vor allem bei den Kleinanlegern nach, hieß es. Der Titel ging mit einem Abschlag von 9,5 % auf 25,33 Euro aus dem Handel.

Ebenfalls massiv unter Druck standen die Papiere des Netzwerkanbieters Adva AG. Nachdem das Unternehmen am Mittwochmorgen seine Geschäftszahlen bekannt gegeben hatte, brach der Kurs bis gegen Mittag um über 30 % auf ein neues Jahrestief von 30,27 Euro ein. Die Aktie schloss mit einem Verlust von über 26 % bei 33 Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×