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23.01.2003

08:42 Uhr

Nach guten Motorola-Zahlen sind Erwartungen gestiegen

Alle Hoffnung ruht auf Nokias Prognose

VonHelmut Steuer

Der Handy-Weltmarktführer Nokia legt heute seine Jahreszahlen vor. Die gesamte Branche hofft auf positive Signale des finnischen Konzerns. Der US-Konkurrent Motorola sorgte mit seinen Zahlen für Vorfreude.

STOCKHOLM. Mit einiger Nervosität blickt die Telekommunikationsbranche am heutigen Donnerstag nach Helsinki. Der Weltmarktführer der Mobilfunkbranche, die finnische Firma Nokia, legt seine Zahlen für das abgelaufene Jahr vor. Als wichtiger aber gilt, welchen Ausblick Nokia-Chef Jorma Ollila auf das Jahr 2003 geben wird. Nach zwei Jahren Talfahrt hofft nun die gesamte Branche, dass der unbestrittene Marktführer wenigstens das Licht am Ende des Tunnels sieht. Die Zahlen für das abgelaufene Jahr sind weniger interessant, zumal Nokia seit zwei Jahren neben seinen Quartalsberichten auch noch Quartalsprognosen abgibt. Böse Überraschungen dürfte das abgelaufene Geschäftsjahr also nicht mehr bringen.

Nach den Prognosen von Nokia und der Auswertung von 39 Analysen großer Banken in Helsinki und Stockholm wird der finnische Vorzeigekonzern für das vierte Quartal einen Umsatz von knapp 8,9 Mrd. Euro ausweisen. Der Umsatz dürfte 2002 danach bei rund 30 Mrd. Euro, der Gewinn pro Aktie bei 0,80 Euro liegen. Als Branchenprimus wird Nokia erneut glänzen können, da die Finnen mit ihren Handys wiederum eine Umsatzrendite von über 22 % erreichen werden.

Einen Lichtblick gab es bereits am Mittwoch, als der US-Konkurrent Motorola mit einem Nettogewinn im vierten Quartal 2002 von 174 Mill. $ und einem Gewinn von 0,08 $ je Aktie die Analysten positiv überraschen konnte. Auch der Umsatz zog im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3 % auf 7,5 Mrd. $ an. Motorola-Boss Christopher Galvin zeigte sich optimistisch, dass der Umsatz 2003 moderat wachsen werde. Er rechnet mit einem Gewinn je Aktie von etwa 0,40 $ und geht von ersten Erholungstendenzen der Weltwirtschaft aus - vorsichtig optimistische Töne aus Schaumburg/Illinois also.

"Nach dem Motorola-Bericht sind die Erwartungen an Nokia noch weiter gestiegen", sagt Analyst Håkan Wranne von Fischer Partners in Stockholm. In Helsinki haben die Finnen zuletzt im Dezember für 2003 Wachstum des globalen Handy-Marktes von rund 10 % prognostiziert. Etwa 440 Millionen neuer Handys sollen weltweit verkauft werden, und Nokia möchte ein großes Stück vom Kuchen des 65 Mrd.- Euro-Marktes abbekommen.

Der Weltmarktanteil der Nokia-Mobiltelefone liegt bei gut 36 %. Ollila möchte die 40-%-Marke überspringen. "Das wird nur gelingen, wenn die Kunden die neuen Farbdisplay- und Kamera- Handys wirklich haben wollen", sagt Wranne. Das zurückliegende Weihnachtsgeschäft dürfte erste Aufschlüsse geben, ob das gelungen ist. In einem sind sich Wranne und andere Experten einig: "Der Austausch- Markt wird immer wichtiger." Die Mobilfunkbetreiber müssen durch neue Anwendungen, die Handy-Produzenten durch leicht bedienbare Geräte die Kunden zum Erwerb eines neuen Handys bewegen, obwohl das alte seine Sache vielleicht noch ganz gut tut. Ein weiteres Problem: Bevor der Mobilfunkstandard UMTS mit seinen hohen Datenübertragungsraten und völlig neuen Anwendungsmöglichkeiten tatsächlich etabliert ist, zögern viele Kunden mit dem Kauf eines neuen Handys, das schon bald wieder überholt sein könnte.

Der Kampf um Marktanteile wird also schwieriger. Nokia liegt weiterhin unangefochten vor Motorola und Samsung. Doch in den USA verloren die Finnen 2 002 Martkanteile und sind nun mit rund 26,5 % nur noch die Nummer zwei hinter dem einheimischen Konzern Motorola, der auf 32 % kam.

Doch viele Experten sind sich einig, dass die bislang praktizierte Berechnung der Marktanteile immer schlechter funktioniert. Jan Werding von der Investmentbank Carnegie in Stockholm meint, dass statt der reinen Anzahl verkaufter Geräte auch der Wert der verkauften Handys berücksichtigt werden müsse. "Die Schere zwischen teuren und billigen Handys wird immer größer. Das muss mit einbezogen werden", sagt Werding.

Nokia mit seinem breiten Sortiment preisgünstiger und teurer Geräte bleibt auch mit der alternativen Berechnungsmethode Nummer eins. Doch der südkoreanische Konkurrent Samsung holt gegenüber Motorola, dem Branchenzweiten, mächtig auf, während der deutsche Siemens-Konzern auf das Niveau von Sony Ericsson zurückfällt.

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