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26.05.2000

08:26 Uhr

Nach mehr als 40 Jahren im Konzern

Nestle-Präsident Maucher geht in den Ruhestand

Einer der wohl einflussreichsten Deutschen in der Schweiz geht in den Ruhestand. Mit 73 Jahren hat Helmut Maucher am Mittwoch sein Amt als Verwaltungsratspräsident des Nahrungsmittelmultis Nestle an seinen Nachfolger, den Bankier Rainer Gut übergeben. Bei Nestle bleibt Maucher Ehrenpräsident auch wenn er von Vevey, wo Nestle den Firmensitz hat, nach Bad Homburg bei Frankfurt ziehen wird.

Reuters ZÜRICH. Maucher, der aus Eisenharz im süddeutschen Allgäu stammt, verbrachte seine mehr als 40 Jahre dauernde berufliche Karriere praktisch ausschliesslich bei Nestle. 1981 war er zum Leiter des Konzerns berufen. 1990 übernahm er dazu noch das Präsidium des Verwaltungsrates. Unter Mauchers Führung bewerkstelligte Nestle grosse Übernahmen wie Carnation, Rowntree und etwa Perrier. Insgesamt, so eine Statistik, habe Maucher 250 Unternehmen dazugekauft.

Maucher reduzierte die Abhängigkeit vom Hauptprodukt Nescafe und der Umsatz stieg von knapp 28 Milliarden sfr 1983 auf 75 Milliarden sfr Ende 1999. Der Gewinn wuchs im gleichen Zeitraum von 1,26 Milliarden auf 4,72 Milliarden sfr. 1997 gab Maucher die operative Leitung an den Österreicher Peter Brabeck ab. Andres Leuenberger, der Präsident des Spitzenverbandes der Schweizer Wirtschaft (Vorort) sagte, auch wenn Maucher kein Schweizer sei, so habe er die Schweizer Wirtschaftspolitik und die Wirtschaftskultur doch entscheidend mitgestaltet. Es gebe in der Schweiz wahrscheinlich keinen Deutschen, dem mehr Sympathie entgegengebracht werde.

Maucher, Mitglied der deutschen CDU, verstand sich immer als Vertreter des freien Marktes, aber kurzfristige Gewinnmaximierung betrachtete er mit Skepsis. Gegenüber reinen "Finanzheinis" hatte der Industrielle so seine Vorbehalte. Auch hohe Manager-Gehälter und Optionenpläne fanden nicht seinen Beifall. "Ein paar hundert Millionen einstreichen und gleichzeitig zehntausend Leute auf die Strasse stellen" - das war nie Mauchers Fall. Er wollte eine "freie Wirtschaft mit sozialer Verantwortung".

Nicht unumstritten war Maucher, wenn er ausserhalb seines "Kernbereiches" agierte. Prügel bezog Maucher für das Wort "Wohlstandsmüll", mit dem er öffentlich einen Teil der Arbeitslosen belegt hatte. Der Begriff war 1997 Unwort des Jahres. Kritik gab es auch als Maucher einem Aufruf des deutschen Ex-Kanzler Helmut Kohl folgend 500.000 DM aus seinem Privatvermögen an die CDU spendete, um die finanziellen Folgen der Parteispenden-Affäre für die CDU mindern zu helfen. Er wollte, so Maucher in einem Interview der "Weltwoche", "Helmut Kohl helfen, den finanziellen Schaden wieder gutzumachen, den er selber angerichtet hat".

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