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04.07.2000

18:53 Uhr

Nach Mobilcom kündigen E-Plus und Debitel Projekte für mobiles Bezahlen per Handy an – Mannesmann konkretisiert eigene Pläne

Mobilfunker drängen ins Bankgeschäft

VonHolger Alich

Die technischen Vorrausetzungen gibt es zwar noch nicht. Dennoch beziehen Telekom-Unternehmen schon Stellung für den Wachstumsmarkt mobiles Einkaufen per UMTS-Handy. Den Anstoß gab Mobilcom mit seinen Plänen, für das mobile Bezahlen eine eigene Bank gründen zu wollen.

DÜSSELDORF. Nach Mobilcom kündigten gestern weitere Telekommunikationsgesellschaften den Einstieg in das Geschäft mit Finanzdienstleistungen per Mobiltelefon an: "E-Plus arbeitet ebenfalls an einem Pilotprojekt für die elektronische Zahlungsabwicklung", sagte E-Plus Sprecher Claas Sandrock gegenüber dem Handelsblatt. Zeitpunkt und mögliche Partner stehen aber noch nicht fest. Auch Debitel arbeitet nach eigenen Angaben "an diesem Thema", bestätigte ein Sprecher. Mannesmann verfolgt bereits seit Januar ein solches Projekt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank.



Gestern hatte Mobilcom-Vorstandschef Gerhard Schmid gegenüber dem Handelsblatt den Einstieg in das Geschäft mit Finanzdienstleistungen via Handy angekündigt. Dazu soll eine eigene Bank gegründet werden, so Schmid. Heute ergänzte ein Sprecher, neben einer Neugründung einer Bank kämen auch Kooperationen und Joint Ventures in Frage. Schwerpunkt der geplanten Dienste seien das Bezahlen und der Wertpapierhandel.



Analysten begrüßten den Schritt Mobilcoms in Richtung mobiles Einkaufen (M-Commerce). Skeptisch zeigten sie sich über den Plan, eine eigene Bank dafür zu gründen. Die Mobilcom-Aktie notierte gestern in einem schwächeren Markt gut behauptet.



Mannesmann konkretisierte seine Pläne. "Wir arbeiten an einer europaweiten Lösung für die elektronische Zahlungsabwicklung", sagte Sprecher Georg Denoke. Kunden könnten künftig ihr Mobiltelefon wie eine Kreditkarte verwenden. "Der Kunde wird sich dann entscheiden, in welcher Situation er mit seiner Kreditkarte oder über das Handy bezahlt", so Denoke. Nach Angaben des Mannesmann-Vorstandsmitgliedes Peter Gerard soll den Kunden dabei ein kostenloses Girokonto angeboten werden, dessen Nummer mit der Mobilfunknummer des Kunden übereinstimmt. In einer zweiten Phase will Mannesmann dann weitere Finanzdienstleistungen wie etwa den Handel mit Wertpapieren anbieten. Ob Mannesmann sich dafür an einer Bank beteiligt, oder ein Joint Venture bildet, ließ Gerard offen.



"Die Mobilfunkanbieter haben Druck auf ihre Margen bei der Sprachübertragung. Da macht es Sinn, nach neuen Umsatzquellen zu suchen", beurteilt Holger Grawe, Telekomexperte bei WestLB-Panmure, die neuen Pläne Mobilcoms. Alexander Kachler vom Bankhaus Merck Finck & Co. warnt aber vor den hohen Anlaufverlusten bei einer Bankneugründung: "Schon die UMTS-Lizenzen werden sehr teuer. Gründet Mobilcom auch noch eine eigene Bank, so schafft sich das Unternehmen ein neues Standbein, dass wohl frühestens 2004 die Gewinnzone erreicht." Sollte Mobilcom an den Gründungsplänen für eine Bank festhalten, "könnte das zu einer Herabstufung führen", sagt Kachler. Für beide Schwerpunkte der neuen Dienste - Bezahlen per Handy und mobile Wertpapiergeschäfte - ist nach Ansicht von Franz Rudolf von der Hypo-Vereinsbank eine Kooperationslösung von Vorteil: "Um beim Zahlungsverkehr zu verdienen, brauche ich eine kritische Masse an Nutzern", so Rudolf. Mit Hilfe einer Kooperation sei diese leichter zu erreichen. Im Wertpapiergeschäft könne Mobilcom auf die Produkte und das Know-How des Partners zurückgreifen.



Mögliche Konkurrenten reagierten gelassen auf die Ankündigungen. "Als Anbieter von Zahlungsverkehr muss ich erst einmal die Akzeptanz der Händler erreichen", gab ein Sprecher des Kreditkartenunternehmens Visa zu bedenken. Eine Consors-Sprecherin verwies auf die Schwierigkeiten für einen neue Broker, eine für Kunden ausreichend breite Produktpalette anbieten zu können.

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