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01.04.2003

16:53 Uhr

Nach starken Schwankungen

Finanzmärkte beruhigen sich etwas

Nach den starken Schwankungen der vergangenen Tage haben sich die Kurse an den internationalen Finanzmärkten am Dienstag beruhigt, da sich die Investoren offenbar auf einen langen Irak-Krieg eingestellt haben.

Reuters FRANKFURT. "Der Markt ist nun mehr oder weniger darauf eingestellt, das es ein sich lang hinziehender Krieg sein wird", sagte Paul Mackel, Devisenstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Ölpreis, der zuletzt aus Angst vor den Auswirkungen des Krieges in der ölreichen Region gestiegen war, und der Dollar veränderten sich kaum. Auch die Kurse an den europäischen Rentenmärkten bewegten sich wenig.

"Jeder redet jetzt eher von einer Kriegsdauer von drei oder sechs Monaten", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Vor dem Krieg waren die Aktienkurse in Erwartung eines kurzen Waffengangs heftig gestiegen, als sich dann aber längere Kampfhandlungen abzuzeichnen begannen, waren die Kurse wieder deutlich gefallen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat seit Montag vergangener Woche fast 300 Punkte oder rund zehn Prozent verloren.

Der Stoxx50-Index der wichtigsten europäischen Aktien stieg am Dienstagnachmittag um 1,26 Prozent auf 2125 Punkte, der Dax notierte unverändert bei 2425 Punkten. Die Leitindizes in London und Paris legten 1,5 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent zu.

Der Preis für den wichtigen Rohstoff Öl gab am Londoner Terminmarkt leicht nach. So kostete das Barrel (159 Liter) der Nordseemarke Brent am Nachmittag mit 26,80 Dollar 38 US-Cents weniger als am Vortag. Im Vorfeld des Krieges war der Preis je Barrel auf über 30 Dollar gestiegen, dann aber in Erwartung eines kurzen Krieges auf unter 25 Dollar gefallen. Seither pendelt er zwischen 25 und 28 Dollar.

"Sicher ist der Irak weiter ein wichtiges Thema. Aber es setzt langsam ein Gewöhnungseffekt ein, so schlimm das angesichts der Toten dort ist", sagte ein Händler. "Ereignisse wie beispielsweise die Einnahme einer Stadt durch die Alliierten oder etwas, was auf ein schnelleres Kriegsende hindeutet, könnte die Kurse natürlich jederzeit wieder beflügeln. Auf der anderen Seite könnte eine Eskalation jederzeit wieder Druck auf die Kurse ausüben", fügte er hinzu.

Die US-geführten Truppen in Irak haben in der vergangenen Nacht die Luftangriffe auf die Hauptstadt Bagdad fortgesetzt. Gleichzeitig erlitten sie nach irakischen Angaben schwere Verluste bei Gefechten im Umkreis der Stadt Nassirijah. Nachdem es am Anfang des nun seit 13 Tagen andauernden Konfliktes nach einem schnellen Kriegsende ausgesehen hatte, trafen die alliierten Truppen zuletzt auf stärkeren Widerstand als von vielen Beobachtern zuvor erwartet worden war. Meldungen um eine Pause beim Vorrücken auf die Hauptstadt wurden vom US-Militär dementiert.

Nach Aussagen von Händlern hatte der Fall des ersten deutschen SARS-Patienten kaum Auswirkungen auf die Börsen. "Dies hat momentan kaum Auswirkungen auf die Kurse, da die Krankheit hier zu Lande noch wenig verbreitet ist", sagte ein Händler.

Würden sich die Krankheitsfälle allerdings häufen, könnte der Druck auf die Börsen größer werden, ergänzte der Händler. Den Angaben einer Lungenklinik im westfälischen Hemer zufolge ist bei einem 72-jährigen Mann nach einer Asienreise SARS festgestellt worden. Der Patient sei inzwischen wieder fieber- und beschwerdefrei. Bislang sind weltweit 62 Menschen an SARS gestorben, davon 15 in Hongkong und vier in Singapur.

Die Kurse an den europäischen Rentenmärkten tendierten wenig verändert. Der richtungweisende Juni-Bund-Future lag am Morgen drei Ticks im Minus bei 114,69 Punkten.

Der Dollar erholte sich etwas gegenüber dem Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte am Nachmittag bei 1,0899/02 Dollar nach 1,0921/27 Dollar am späten Montag in New York. Sorgen um die Belastung des US-Budgets durch die Kosten des Irakkriegs belasten den Dollar seit längerem.

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