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20.03.2003

13:40 Uhr

Nach Stunden ohne Raketenangriff

Noch kein Aufatmen in Israel

Stunden nach dem ersten Angriff der USA auf Bagdad waren die Einfallstraßen nach Tel Aviv ungewöhnlich leer. Viele Menschen blieben am Donnerstag zu Hause, obwohl die Gefahr eines irakischen Angriffs auf Israel nach offizieller Einschätzung dieses Mal "nahe Null" sein soll.

HB/dpa TEL AVIV. Tausende Eltern im Gebiet von Tel Aviv ignorierten die Anweisung des Erziehungsministeriums und schickten ihre Kinder nicht zum Unterricht. Dort, wo 1991 die meisten der 39 irakischen Raketen eingeschlagen waren, kamen zum Teil nur etwa 20 % zur Schule. Die meisten trugen die obligatorische Gasmaske im braunen Karton bei sich, die alle Israelis seit Mittwochabend auf Anweisung der Armee stets griffbereit haben sollen.

Von "Aufatmen" war in Israel nach der ersten Angriffswelle auf Bagdad keine Spur. Zwar steht eine große Mehrheit der jüdischen Bevölkerung voll hinter den Kriegsplänen der USA, doch die Furcht vor einem irakischen Angriff können und wollen viele nicht verbergen. Vor allem die Älteren Israelis erinnern sich gut: Auch zu Beginn des Golfkriegs 1991 dauerte es 24 Stunden, bis Saddam Hussein seine erste Salve von sieben Scud-Raketen in Richtung Tel Aviv feuerte und die Israelis stundenlang in die dichten Gasschutzräume zwang. Frühestens nach 72 Stunden, so heißt es, könne man sagen, ob die Gefahr eines Angriffs aus dem Westen des Irak gebannt sei.

Für Israels Luftwaffe herrscht deshalb höchste Alarmstufe. Und in den Raketenabwehrbatterien um die Ballungsgebiete starren Soldaten ununterbrochen auf die Radar-Bildschirme. In höchster Alarmbereitschaft ist auch die Polizei. Sie befürchtet palästinensische Terroranschläge aus Sympathie mit Saddam. Die Bevölkerung in dem palästinensischen Ort Beit Chanun im Gazastreifen machte nach wochenlangen Militäraktionen Israels jedenfalls keinen Hehl daraus, wen sie unterstützt. Dort gingen hunderte Menschen auf die Straße, wo sie Fahnen der USA verbrannten und Saddam hochleben ließen.

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