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17.02.2002

16:25 Uhr

Nach tschechischer Lektion - Im Viertelfinale ohne Kölzig

Eishockey-Lehrlinge freuen sich „erst in fünf Jahren“

Ihren großen Traum haben sich die deutschen Eishockey-Nationalspieler erfüllt, aber Zeit zum Genießen haben sie nicht. "In fünf Jahren freue ich mich, dass ich gegen solche Stars gespielt habe. Jetzt will ich die Runde nur einigermaßen überstehen", sagt Klaus Kathan.

HB/sid/dpa PROVO. Der Kasseler Stürmer, in der Vorrunde der beste Scorer im deutschen Team, staunt wie seine Kollegen über die NHL-Multimillionäre Jaromir Jagr und Mario Lemieux: "So ein wahnsinniges Tempo habe ich nicht erwartet."

Die olympische Endrunde mit den Besten der Besten ist für die meisten deutschen Puckjäger, die noch vor zwei Jahren gegen Estland und die Niederlande spielten, eine völlig neue Erfahrung. "Ich werde den Unterschied wohl erst richtig merken, wenn die DEL wieder losgeht", meint Kathan: "Dann denke ich: Hey, ist das hier langsam." Abgehakt haben die Eishockey-Lehrlinge das Turnier von Salt Lake City aber noch nicht. Denn das Viertelfinale am Mittwoch hat das Team von Bundestrainer Hans Zach schon erreicht. "Wenn wir uns da auf Toplevel präsentieren, ist alles möglich. Das ist zwar David gegen Goliath, aber wir haben eine kleine Chance", sagt Kathans Klubkollege Andreas Loth.

Sein Bundes- und Vereinstrainer will nicht völlig widersprechen: "Aber es müsste schon alles zusammenpassen. Und wir müssten einen überragenden Torhüter haben." Genau daran wird es aber wohl scheitern, denn Stargoalie Olaf Kölzig von den Washington Capitals wird auch im Viertelfinale nicht zum Einsatz kommen. "Ich werde nicht spielen", sagt der 31-Jährige, der an einem Innenbandanriss laboriert: "Ich muss wohl zwei Wochen pausieren." Zu seinem ersten Einsatz sollte er eigentlich am Montag im abschließenden Finalrundenspiel gegen Schweden kommen. Die Viertelfinal-Duelle werden am Mittwoch ausgetragen.

Zach ist trotzdem schon jetzt mit dem Abschneiden zufrieden: "Für uns ist der Einzug in die Endrunde wie ein Medaillengewinn. Wir haben schon alles erreicht, was die anderen noch wollen." Den Abstand zu den Top-Nationen sieht der Bad Tölzer realistisch. Auf die Frage, was denn dem deutschen Team fehlt, sagt Zach: "20 NHL-Spieler."

Zum Endrundenauftakt hatte Olympiasieger und Weltmeister Tschechien eindrucksvoll diesen Klassenunterschied offenbart. "Das war genial und brillant, das Beste, was es auf der Welt gibt auf dem Eis", schwärmte Zach nach der 2:8-Lehrstunde: "Was die aufs Eis gezaubert haben, war beeindruckend. Das war Anschauungsunterricht für uns."

60 Minuten lang zelebrierte das tschechische Starensemble um den Weltklassetorhüter Dominik Hasek und den fünfmaligen NHL-Scorerkönig Jaromir Jagr "Eishockey von einem anderen Stern", wie Zach feststellte. Seine Schützlinge staunten zuerst, spielten dann ganz gefällig mit und überwanden immerhin durch Len Soccio von den Hannover Scorpions (29.) und Stefan Ustorf vom deutschen Meister Adler Mannheim (48.) zweimal den "Dominator".

Der Bundestrainer stellte mit einer gewissen Zufriedenheit fest, dass die Niederlagen gegen die Großen zu seiner aktiven Zeit noch deutlicher ausgefallen seien: "Da kam der Xaver Unsinn in die Kabine und sagte: Buam, passt auf, dreimal sieben ist 21. Da lagen wir nach dem ersten Drittel schon 0:7 gegen die Russen zurück." So lobte Zach trotz der deutlichen Niederlage: "Im Großen und Ganzen bin ich mit der Leistung zufrieden." Allerdings fürchtet der Bundestrainer um die Psyche seiner Spieler: "Wenn noch öfter so eine Lawine über sie hereinbricht, dann wird es schwierig, sie wieder aufzurichten."

Das deutsche Team gehörig durcheinander wirbelte vor allem Geburtstagskind Jagr, der 30 Jahre alt wurde und mit zwei Toren (4., 39.) und zwei Vorlagen feierte. Petr Sykora (14.), Milan Hejduk (17.), Martin Havlat (28.), Robert Lang (34., 59.) und Patrick Elias (54.) "gratulierten" mit den übrigen Treffern.

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