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03.04.2003

12:22 Uhr

Nachfolge im EZB-Direktorium

Mehrheit der Finanzminister für Tumpel-Gugerell

Unter den EU-Finanzministern wächst die Zustimmung zur österreichischen Kandidatin für das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), Gertrude Tumpel-Gugerell.

Reuters FRANKFURT. "Es gibt eine klare Mehrheit für sie. Aber wir brauchen einen Konsens, und es gibt diesen Konsens noch nicht", hieß es am Donnerstag aus Kreisen eines Finanzministeriums. Der EU-Rat der Wirtschafts- und Finanzminister (Ecofin) werde sich mit dieser Frage auf seinem informellen Treffen am Freitag und Samstag in Athen beschäftigen, hieß es weiter. Neben der Vizepräsidentin der österreichischen Zentralbank (OeNB) kandidiert für die Nachfolge der Finnin Sirkka Hämäläinen im EZB-Direktorium noch der belgische Wissenschaftler Paul de Grauwe.

Hämäläinen scheidet turnusgemäß nach dem Ende ihres fünfjährigen Vertrages am 31. Mai aus dem Amt aus. Dem Vorschlag der Finanzminister müssen nach dem Vertrag von Maastricht die Staats- und Regierungschefs der 15 EU-Länder zustimmen, nachdem die EZB und das Europäische Parlament dazu angehört wurden.

Die sechs Direktoriumsmitglieder, die mit den Präsidenten der nationalen Zentralbanken den EZB-Rat bilden, haben regulär eine Amtszeit von acht Jahren und können nicht noch einmal ernannt werden. Damit soll die im Maastricht-Vertrag vorgeschriebene politische Unabhängigkeit der EZB garantiert werden. Zum Antritt des EZB-Direktoriums im Juni 1998 wurden die Amtszeiten gestaffelt, damit die Spitze der Notenbank nicht komplett zu einem Termin wechselt.

Notenbankerin oder Wissenschaftler

Die 50-jährige Tumpel-Gugerell ist seit 1997 Mitglied des Direktoriums der OeNB. Auf internationaler Ebene vertritt die studierte Volkswirtin die Notenbank im EU-Wirtschafts- und Finanzausschuss. Sie ist zudem Vorsitzende des Beratenden Bankenausschusses der EU, dessen Arbeitsschwerpunkte derzeit bei der Umsetzung der neuen Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) und in der Integration der neuen Mitglieder in der EU liegen. In der EZB ist sie Mitglied des Komitees für Bankenaufsicht.

Tumpel-Gugerell genieße in internationalen Finanzkreisen durch ihre fachliche Kompetenz hohes Ansehen und könne eine maßgebliche Verstärkung des EZB-Direktoriums darstellen, hieß es kürzlich im österreichischen Finanzministerium.

Der 56-jährige de Grauwe war schon im vergangenen Jahr für die Nachfolge des EZB-Vizepräsidenten Christian Noyer ins Rennen geschickt worden. Damals zogen die Finanzminister den Griechen Lucas Papademos vor. De Grauwe lehrt an der Universität Leuven Wirtschaftswissenschaft und gehört seit 1991 als Mitglied der liberalen Partei von Ministerpräsident Guy Verhofstadt dem belgischen Parlament an. In den vergangenen Jahrzehnten hat de Grauwe unter anderem beim Internationalen Währungsfonds (IWF) gearbeitet und war Gastprofessor an mehreren europäischen Universitäten, darunter auch in Kiel, Saarbrücken und Berlin.

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