Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.04.2003

16:55 Uhr

Nachfolge soll vor Ostern fest stehen

Müller als neuer RAG-Chef gehandelt

Die Nachfolge des ausscheidenden RAG-Chefs Karl Starzacher soll nach Angaben aus Branchenkreisen noch vor Ostern geregelt werden. Bis dahin werde die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der RAG (früher Ruhrkohle) einen Kandidaten vorschlagen, hieß es in den Kreisen am Mittwoch. Starzacher hatte am Vortag völlig überraschend seinen Rücktritt für Ende Mai angekündigt.

Reuters DÜSSELDORF. Die Unzufriedenheit mit Starzacher sei im Aufsichtsrat seit Monaten gewachsen, hieß es in den Kreisen weiter. Vor allem im Arbeitnehmerlager des montan-mitbestimmten Kontrollgremiums habe man kritisiert, dass der Mann an der Vorstandsspitze "falsche Prioritäten" setzte und sich in Details verzettele. Statt sich mit voller Kraft auf die Umsetzung der neuen Unternehmensstrategie zu stürzen, habe er sich zu viel um Randfragen wie etwa die Zuteilung von Dienstwagen gekümmert.

Vorgeworfen habe man Starzacher auch seine enge Verbindung zum RAG-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann. Der Vorstandschef der Eon AG hatte den früheren hessischen Finanzminister Starzacher 1999 in den RAG-Konzern geholt. Seit Januar 2000 war Starzacher dort Vorstandschef. Sein Vertrag wäre noch bis September 2004 gelaufen.

"Starzacher ging am Gängelband von Hartmann", hieß es in den Kreisen weiter. Das habe auch einigen Anteilseignern auf der Kapitalseite nicht gefallen. Eon ist mit knapp 40 % größter Aktionär bei der RAG. Sein größter Konkurrent RWE ist aber mit 30 % auch ein nennenswerter Anteilseigner.

Starzacher hatte am Dienstag persönliche Gründe für seinen Rücktritt angegeben. In einer Erklärung lobte Hartmann ihn als einen Manager, der das Unternehmen RAG nachhaltig geprägt und zukunftsorientiert aufgestellt habe.

An der von Starzacher wesentlich mitbetriebenen Neuausrichtung des vormals reinen Bergbauunternehmens auf die Säulen Bergbau, Chemie und Immobilien wird durch den Wechsel an der RAG-Spitze nicht gerüttelt. Diese Strategie sei im Aufsichtsrat einstimmig abgesegnet worden, hieß es aus Kreisen des Kontrollrates.

Als Nachfolger Starzachers kommt einem Vorabbericht der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe) zufolge der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller in Frage. Der parteilose Müller habe sich bei den Arbeitnehmervertretern im RAG-Aufsichtsrat durch seinen früheren Einsatz für den Fortbestand der Kohlebeihilfen einen Namen gemacht. In der Branche gilt Müller indes nicht als aussichtsreicher Kandidat. Als ehemaliger Manager der Eon-Vorgängerin Veba stehe er dort noch auf der Pensionsliste. "Das kommt nicht gut an", kommentierte ein Branchenexperte den möglichen Wechsel Müllers an die RAG-Spitze.

Wenig Chancen auf die Nachfolge Starzachers werden auch dem Vorstandsvorsitzenden des neu zum RAG-Konzern gehörenden Chemieunternehmens Degussa eingeräumt. Zwar habe sich in der Vergangenheit ein Machtkampf zwischen Starzacher und Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht abgezeichnet. Doch sei der Industriemanager Felcht für die noch weitgehend von Kohleinteressen bestimmte Arbeitnehmerbank im RAG-Aufsichtsrat kaum akzeptabel.

Die RAG hält seit Anfang des Jahres knapp 50 % an Degussa und hat die unternehmerische Führung dort von der bisherigen Muttergesellschaft E.ON übernommen. Im nächsten Jahr soll der Degussa-Anteil auf die Mehrheit aufgestockt werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×