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25.02.2002

14:33 Uhr

Nachfolger wird rasch bekannt gegeben

Zurich-Chef Rolf Hüppi tritt zurück

Der an den Finanzmärkten zuletzt immer heftiger kritisierte Konzernchef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich Financial Services, Rolf Hüppi, gibt zur Jahresmitte seinen Posten als CEO auf. Er bleibt aber Präsident des Verwaltungsrats, wie Zurich am Montag weiter mitteilte.

Reuters ZÜRICH. Wer Hüppis Nachfolger werden soll, blieb zunächst offen. Das werde rechtzeitig bekannt geben, hiess es weiter. Die Zurich-Aktien reagierten bei Börseneröffnung mit einem über achtprozentigen Kurssprung auf die Neuigkeit. Dann ebbte die erste Euphorie wieder ab und gegen 13.50 Uhr notierten Zurich noch um 1,5% fester bei 329 sfr. Die Aktie verlor im letzten Jahr rund 60 %. Im laufenden Jahr sank der Titel bereits weitere 17 Prozent.

Das Zurich-Management und vor allem Hüppi waren im vergangenen Jahr nach mehreren Gewinnwarnungen massiv unter Beschuss geraten. Am letzten Handelstag vor Weihnachten teilte Zurich nach zuvor bereits drei Warnungen mit, dass für 2001 mit einem Verlust von 200 bis 700 Mill. $ zu rechnen sei.

Unter Hüppis Führung hatte die Zurich vor allem in den USA in rascher Folge Firmen wie Scudder und Kemper übernommen; Hüppi wollte aus dem Versicherer einen Allfinanz-Konzern machen. In Grossbritannien übernahm Zurich den Finanzteil des BAT-Konzerns. Die Zukäufe machten den Konzern zwar gross, sie drückten zunächst einmal aber vor allem auf den Gewinn. Die Schulden stiegen. Zuletzt kündigte Hüppi wieder ein Devestitionsprogramm an und Firmenteile im Wert von über fünf Milliarden sfr wurden abgestossen. Unter anderem wurde der US-Vermögensverwalter Scudder Investments gegen die Übernahme des Deutschen Herold und eine Barabfindung an die Deutsche Bank veräussert. Das Rückversicherungsgeschäft wurde unter dem Namen Converium an die Börse gebracht. Eine Beteiligung an der Schweizer Versicherungsgesellschaft Baloise ging an eine Investorengruppe.

Zuletzt wurde auch noch die Schweizer Versicherungsaufsicht aktiv. Das Bundesamt für Privatversicherungen (BPV) fragte bei Zurich nach Informationen zur finanziellen Situation des Unternehmens an, wie ein BPV-Sprecher am Montag zu einem Zeitungsbericht vom Wochenende erklärte. "Es ist keine Untersuchung - wir laden die Konzernleitung ein, uns zu informieren," sagte BPV-Sprecher Patrick Jecklin. "Wir wollen wissen, was hinter den vier Gewinnwarnungen steht, und was man tun kann, um die Eigenkapitalsituation zu verbessern." Die Kapitalsituation bei Zurich sei aber nicht kritisch und das Eigenkapital ausreichend.

Auch an die Rentenanstalt/Swiss Life und den zur Mobiliar-Gruppe gehörenden Lebensversicherer Providentia gingen laut Jecklin ähnliche Anfragen. Die Rating-Agenturen S&P und Moody's nahmen die Bonitätsbewertung von Zurich kürzlich zurück. S&P führte unter anderem auch Bedenken über die "Konsistenz der Strategie des Managements" für ihre Entscheidung ins Feld.

Analysten verhalten optimistisch

Analysten reagierten skeptisch auf die Mitteilung von Zurich. Es blieben weiter Fragen offen, war der Tenor. Das Problem sei der Nachfolger, sagte etwa Javier Lodeiro von der Bank Leu. "Die Frage wird sein; wie interpretiert Herr Hüppi seine Position als Chairman," so Lodeiro. Es müsse einen klaren Schnitt zur derzeitigen Situation geben und der neue CEO müsse stark genug sein, um sich durchzusetzen. Er glaube, dass der im Dezember 2001 bestellte Chief Operating Officer (COO) Peter Eckert neuer Konzernchef werde, sagte Lodeiro weiter. "Es ist ein Zeichen des fehlenden Vertrauens in Hüppi, wenn die Aktien anziehen, wenn er geht," sagte Heinrich Wiemer von Sal. Oppenheim. "Aber es bleiben viele Fragen offen, einschliesslich der, warum es keinen Nachfolger gibt".

WestLB Panmure-Analyst Charles Coyne nannte die Ankündigung eine gute Neuigkeit. "Ich bin nicht überrascht. Aber es ist nur die Hälfte von dem, was die Investoren sich gewünscht haben. Sie wollten ihn vollständig gehen sehen." Vielleicht solle mit dem jetzt gewählten Weg allen Beteiligten die Möglichkeit gegeben werden, das Gesicht zu wahren. Coyne sagte, dass neben Eckert auch der zweite COO, James Schiro, als neuer CEO in Frage käme.

Zurich hatte Anfang Dezember die Verstärkung der Konzernleitung unter Führung von Hüppi durch zwei COOs angekündigt. Eckert war zum COO - Group Operations and Business Development und Schiro per 1. März als COO - Group Finance ernannt worden.

Hüppi hatte zuletzt Ende Januar in einem Zeitungsinterview bekräftigt, er wolle an seiner Doppelfunktion als CEO und Verwaltungsratspräsident festhalten. Der 58-Jährige trat 1963 bei Zurich ein und wurde 1988 Vorsitzender der Konzernleitung. Hüppi ist seit 1995 Präsident des Verwaltungsrats. Sal. Oppenheims Wiemer sieht für einen CEO von ausserhalb des Unternehmens wenig Chancen. "Es wird schwer sein, einen guten externen Kandidaten zu finden, solange Hüppi Verwaltungsratspräsident ist," sagte er.

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