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22.04.2003

07:54 Uhr

Nachfrage steigt

Infineon weitet Verlust deutlich aus

Deutlich gesunkene Preise für Speicherchips (DRAMs) haben den Münchener Halbleiter-Hersteller Infineon im zweiten Quartal 2002/03 wieder tiefer in die Verlustzone gedrückt. Ähnlich wie die Konkurrenz Intel oder Samsung ist der Konzern mit Blick auf die weitere Geschäftsentwicklung nach wie vor zurückhaltend, sieht aber erste Anzeichen für eine Belebung.

Reuters MÜNCHEN. "Aufgrund der aktuell schwierigen weltweiten Wirtschaftslage und der Unsicherheit über die weitere internationale Entwicklung bleiben Prognosen weiterhin schwierig", teilte der sechstgrößte Chipanbieter der Welt am Dienstag in München mit. Im Ende März abgelaufenen Quartal habe der Konzern aber eine positive Nachfrageentwicklung in den meisten Segmenten verzeichnet. "Wir erwarten eine Fortsetzung dieser positiven Entwicklung in allen Zielmärkten." Für die massive Ausweitung des Verlusts machte Infineon neben Sondereffekten wie Abschreibungen vor allem das Speicherchip-Geschäft verantwortlich, in dem der Konzern wieder tief in die roten Zahlen rutschte.

Die Infineon-Aktie gab kurz nach Handelseröffnung in einem insgesamt schwächeren Marktumfeld rund zwei Prozent auf knapp unter 7,40 ? ab.

Analyst: "Zahlen nicht so schlimm wie es aussieht"

Vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbuchte Infineon einen Verlust von 223 Mil. ? nach 31 Mill. ? im Vorquartal und 178 Mill. ? ein Jahr zuvor. Hierin seien Sondereffekte von 82 Mill. ? enthalten, darunter Lizenzeinnahmen aus dem DRAM-Geschäft von 60 Mill. ? sowie Abschreibungen von 128 Mill. ?, sagte ein Sprecher.

27 von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem operativen Verlust von 152 Mill. ? und einem Umsatz von 1,436 Mrd. ? gerechnet. Infineon bezifferte seinen Konzernumsatz auf 1,48 Mrd. ?. Bereinigt um zum 31. März wirksame Effekte aus der Übertragung der Optoelektronik an Osram entspreche dies einem Anstieg von drei Prozent zum Vorquartal. Ursprünglich hatte Infineon für das Auftaktquartal einen Umsatz von 1,52 Mrd. ? ausgewiesen.

Unter dem Strich verbuchte der Konzern einen Verlust von 328 Mill. ? nach 40 Mill. ? im Vorquartal. Hierin seien Sondereffekte wie Wertberichtigungen auf latente Steuern, Lizenzeinnahmen und Abschreibungen von Lagerbeständen von insgesamt 157 Mill. ? eingerechnet. "Wenn man die Einmaleffekte herausrechnet, sind die Zahlen sogar besser, als wir erwartet haben", sagte Uche Orji, Analyst bei JP Morgan. "Ich glaube, niemand hat großartige Zahlen von Infineon erwartet, der Ausblick ist etwas schwach, aber es ist meines Erachtens nicht so schlimm wie es die Zahlen zunächst nahelegen."

Preisverfall bei Drams verhagelt Ergebnis

"Wir haben beträchtliche Produktivitätssteigerungen erzielt, die jedoch den dramatischen Preisrückgang bei Speicherprodukten nicht ausgleichen konnten", erklärte Infineon-Chef Ulrich Schumacher. Nachdem Infineon hier im Auftaktquartal erstmals seit langem mit 29 Mill. ? wieder einen operativen Gewinn verbucht hatte, fiel nun ein Minus 138 Mill. ? an. Der Umsatz kletterte - einschließlich früher zurückgestellter Lizenzeinnahmen von 60 Mill. ? - um 12 % auf 609 Mill. ?.

Die durch die Krise der Telekommunikationsindustrie getroffenen Sparten Festnetzkommunikation und "Sichere Mobile Lösungen" konnten ihre Verluste zum Vorquartal leicht verringern. Der Bereich Automobil- und Industrieelektronik verbesserte bei einem Rekordumsatz das Ebit auf 49 (Vorquartal 44) Mill. ?.

Branchenprimus Intel hatte erst vor wenigen Tagen gewarnt, es sei noch zu früh, um von einer Erholung der von der schwersten Krise in ihrer Geschichte getroffenen Halbleiter-Branche zu sprechen. Allerdings haben mehrere Dram-Anbieter - Unternehmenskreisen zufolge auch Infineon - in den vergangenen Tagen ihre Preise für Speicherchips erhöht oder planen dies zumindest. Im abgelaufenen Quartal hatte sich der Preis für einen 256-MB-DDR-Chip - ein Standardprodukt - Infineon zufolge noch innerhalb weniger Wochen auf drei Dollar halbiert.

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