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09.01.2003

07:29 Uhr

Nachfrage um über eine Million Autos pro Jahr künstlich aufgebläht

Amerikaner kaufen Autos fast nur noch mit Rabatt

Der Preiskrieg der drei großen US-Autobauer auf dem Heimatmarkt geht in die nächste Runde. Denn noch während der Detroit Motor Show kamen auch Ford Motor Co. und die Daimler-Chrysler-Tochter Chrysler mit neuen Lockangeboten auf den Markt. Zuvor hatte bereits der weltgrößte Autohersteller General Motors (GM) wieder Schnäppchen für die US-Autokäufer angekündigt.

hof/kk DETROIT. Doch nicht nur der Preiskrieg verschärft sich, auch die verbale Auseinandersetzung der Hersteller wird schärfer. Chrysler-Chef Dieter Zetsche sind die Sonderangebote mit direkten Rabatten oder Billigstfinanzierungen bis hin zum gänzlichen Verzicht auf Zinsen zwar ein Dorn im Auge, doch "Chrysler kann sich nicht an den Rand des Wettbewerbs katapultieren lassen", sagte Zetsche in Detroit. So beteiligt sich auch der Daimler-Chrysler-Ableger an den Sonderangebotsaktionen, doch mit Blick in Richtung der Konkurrenz von Ford und GM sagte Zetsche: "Es wird ein schlechtes Spiel gespielt, bei dem am Ende alle verlieren werden, selbst der Kunde." Chrysler lasse sich nicht in Panik versetzen und biete im Schnitt weiter weniger Kaufanreize als die Konkurrenz. Chrysler reagiert damit vor allem auf GM, denen Zetsche indirekt die Schuld an der Entwicklung zuschiebt.

GM-Chef Rick Wagoner kontert in der Tageszeitung "The Detroit News": "Ich kann gut verstehen, dass unsere Wettbewerber uns nicht lieben, seit wir so aggressiv sind. Sie hatten 20 Jahre, in denen die Dinge so liefen wie sie wollten und sie mit Incentives Marktanteile gewannen. Diese Tage sind vorbei", sagte Wagoner. GM könne mit den Kaufanreizen leben und habe während der vergangenen Monate sowohl Marktanteil als auch Profitabilität erhöht. Auch GM-Vize John Devine verteidigte gegenüber dem Handelsblatt die Firmenpolitik: Durch die Preisnachlässe würden die Kunden zum Kauf von höherwertigen Autos verführt - und in höheren Segmenten seien auch die Margen besser.

Ford hatte sich bereits 2001 auf den Preiskampf mit GM eingelassen, während Chrysler erst einmal versuchte, statt billigeren Autos eine längere Garantie anzubieten, um die Kunden zu locken. Das Unternehmen musste sich jedoch schließlich auch dem Preisdruck beugen. Mit den attraktiven Angeboten erreichten die US-Autokonzerne, dass 2002 mit 16,8 Mill. Fahrzeugen gut eine Mill. mehr verkauft wurden als zu Jahresbeginn noch prognostiziert.

Die Prognosen für das laufende Jahr scheinen sich bei etwa 16,2 Mill. Autos einzupendeln. Weitere Kaufanreize sind dafür eine Voraussetzung. Die deutschen Hersteller BMW, Mercedes und der VW-Konzern versuchen sich aus dem Preiskampf weitgehend herauszuhalten, was jedoch nicht vollständig gelingt.

Analysten und Marktbeobachter sehen diese Entwicklung nicht gerne. Denn die Unternehmen sichern sich mit den aggressiven Sonderangeboten zwar hohe Umsätze. Aber ihre Gewinnmargen leiden unter den Programmen. Die Investment-Bank Goldman Sachs errechnete für GM allein für Dezember mit einem negativen Ergebniseffekt von 155 Mill. Dollar. Auch GM-Finanzchef Devine ist trotz aller Argumente für die Angriffslust des Weltmarktführers besorgt: Auf die Frage, ob GM in diesem Jahr mit noch aggressiveren Angeboten rechnet, kreuzte der Finanzchef die Finger und sagte: "Wir hoffen nicht".

Quelle: Handelsblatt

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