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17.01.2003

18:00 Uhr

Nachfrageschub durch EU-Osterweiterung

Gericom erwartet rund 15 Prozent Wachstum

Der Linzer Notebookhersteller Gericom AG plant 2003 eine 15-prozentige Steigerung des Konzernumsatzes auf rund 620 Millionen Euro und will die Ebit-Marge bei 4,9 Prozent konstant halten. Der Jahresüberschuss solle proportional mit dem Umsatzwachstum mithalten, sagte Gericom-Finanzvorstand Gerhard Leimer im Gespräch mit Reuters. 2002 habe Gericom nach vorläufigen Zahlen einen Umsaz von 541 (2001: 540) Millionen Euro erzielt.

Reuters LINZ. Der Jahresüberschuss 2002 werde "zumindest auf Vorjahresniveau, vielleicht auch ein bisschen besser", sagte Leimer. 2001 hatte er 18,45 Millionen Euro ausgemacht. Die Dividende wolle Gericom für 2002 auf 0,80 (0,65) Euro anheben.

Befürchtete Engpässe bei der Komponentenbelieferung, die sonst zu einem Umsatzrückgang auf rund 500 Millionen Euro geführt hätten, habe Gericom im vierten Quartal 2002 durch in der Branche unübliche Vorauszahlungen an Lieferanten abwenden können.

Gericom habe daraus im September 2002 einen Mittelabfluss von rund 35 Millionen Euro gehabt, zum 31. Dezember 2002 seien aber bereits 33 Millionen Euro an Cash aufgebaut worden. "Die Oktoberrechnungen wurden von den Kunden weitgehendst bezahlt - das durchschnittliche Zahlungsziel bei den Kunden ist ja 60 Tage", so Leimer, "circa zwei Monatsumsätze ist der Forderungsbestand".

2002 habe Gericom rund 350 000 (338 000) Notebooks abgesetzt, der Umsatzanteil der Notebooks sei damit bei rund 85 Prozent gelegen und werde 2003 mit etwa 70 Prozent vom Planumsatz erwartet. Die restlichen 30 Prozent sollen mit anderen Produkten wie z.B. Flatscreens und LCD-PCs erwirtschaftet werden. Von dem neuen Produkt LCD-PC seien 2002 erst rund 10 000 Stück abgesetzt worden, Gericom rechne aber 2003 mit deutlich größerer Nachfrage für den LCD-PC - einen Flachbildschirm, auf dessen Rückseite der Computer integriert ist. "2002 waren 50 000 Stück geplant, das ist aber nicht gekommen", so Leimer. 2003 werde ein Absatz von 50 000 bis 70 000 Stück projektiert.

Angaben zum 2003 erwarteten Notebookabsatz wollte Leimer noch nicht machen. Der Durchschnittspreis für Notebooks werde 2003 "allein durch den schwächeren Dollar" weiter auf rund 1150 bis 1200 Euro zurück gehen, nach 1350 Euro 2002 bzw. 1450 Euro 2001, so Leimer. Gericom setze weiterhin zu 80 bis 85 Prozent auf Intel-Prozessoren und wolle die mit AMD-Prozessoren bestückten Einsteigermodelle nicht forcieren. "Langfristig im Einsteigermarkt zu verkaufen macht den Markt unnötig voll", so Leimer, "Gericom hätte die Stärke, leicht 200 000 Notebooks im Einsteigerbereich zu verkaufen, aber das passt nicht zur Strategie."

An Produktentwicklungen sei derzeit nichts in der Pipeline, sagte Leimer. Im Vorjahr hatte Gericom das spritzwasser- und stoßsichere "Outdoor"-Notebook X5 und den LCD-PC vorgestellt. Gericom gehe davon aus, wie 2002 auch 2003 in Deutschland Marktführer im Notebook-Bereich zu sein. 2002 seien etwa 70 Prozent des Gericom-Umsatzes auf Deutschland und Österreich entfallen. Die neueren Gericom-Märkte wie Frankreich, Belgien, Italien und Spanien hätten sich gut entwickelt. "In Frankreich gab es Monate, wo wir im Retail Nummer eins waren", so Leimer. Gericom erwarte in Frankreich 2003 eine Umsatzsteigerung von 50 Prozent, wollte Leimer aber keine genaueren Angaben machen.

Einen großen Nachfrageschub könnte der Beitritt der Reformstaaten zur Europäischen Union (EU) bringen. "Wenn die Reformstaaten zur EU kommen, ist ein großer Hype zu erwarten", so Leimer. Bislang sei das Aktionsgeschäft wegen des Inflations- und Währungsrisikos und des Verzollungsaufwands kaum möglich gewesen.

Gericom streckt aber auch bereits die Fühler in weiter entfernte Märkte aus. Gespräche gebe es über eine Marktpräsenz in China und in den USA. "Es gibt schon Gespräche mit amerikanischen Food-Chains und Partnern für China", will Leimer aber die Erwartungen nicht zu hoch schrauben, "es wäre einmal ein Einstieg". In den USA "geht es mehr darum, den Vertriebsweg und das aftersale-Service abzudecken". In China könnte Gericom mit bestehenden Partnerschaften wie z.B mit der deutschen Metro-Kette oder der französischen Carrefour den Markteinstieg realisieren. Derzeit sei noch nichts spruchreif, es könnte aber 2003 noch etwas umgesetzt werden, so Leimer.

Das Projekt sollte aber eher in Richtung eines Vertriebs-Joint-ventures gehen, meinte Leimer. Er habe sich firmenintern immer gegen eine Beteiligung an einem Produktionsstandort - wie z.B. dem von Gericom-Vorstandsvorsitzendem Helmut Oberlehner angedachten Produktions Joint-venture mit dem Gericom-Lieferanten Uniwill ausgesprochen. "Die nächsten drei Jahre schaut der Notebook-Markt noch sehr gut aus - darüber hinaus kann niemand etwas sagen", so Leimer,"jede Investition muss sich in drei Jahren rechnen". Er wolle den Vorteil geringer fixer Kosten von derzeit fünf Millionen Euro nicht aufgeben, so Leimer. "So kann ich sehr flexibel reagieren und agieren - das kann ich mit hohen Fixkosten nicht machen", sagte Leimer,"die flache Kostenstruktur ist ein wesentlicher Erfolgsstein von Gericom".

Gericom notierten am Freitag am Neuen Markt mit 12,21 (12,40) Euro. Gericom werden zukünftig im Prime Standard notieren und im SDax vetreten sein.

Gericom, die einen Wechsel des Börseplatzes überlegt hatte, wolle vorerst zumindest noch ein halbes Jahr das Listing im Prime Standard-Segment der Deutschen Börse beobachten. Gericom hatte auch über ein Listing an der Wiener Börse nachgedacht und sich in London umgeschaut. "Ein Doppellisting wird sich nicht rechnen, man muss sich für einen Markt entscheiden", meinte Leimer, "In London würden wir untergehen, in Österreich wären wir sofort im Rampenlicht." Deutschland sei allerdings der größte Abnehmermarkt, auch einige der Hauptinvestoren Gericoms seien dort beheimatet.

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