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21.06.2000

17:23 Uhr

Nachgebender Euro wirkt sich belastend aus

Euro-Renten setzen Talfahrt fort

Auf den Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen unverändert zu lassen, habe der Markt keine Reaktion gezeigt.

Reuters FRANKFURT. Die europäischen Rentenmärkte haben am Mittwochnachmitag unter dem Eindruck des schwachen Euro und angesichts der Unsicherheit über das Ergebnis des Ministertreffens der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ihre Talfahrt fortgesetzt. Auf den Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen unverändert zu lassen habe der Markt keine Reaktion gezeigt, sagten Händler. Die hohen Ölpreise und die wieder über 2,0 % gestiegene Teuerung in Baden-Württemberg hätten den Befürchtungen neue Nahrung verliehen, die Inflation könnte wieder aufleben.

Gegen 16.20 Uhr MESZ notierte der Bund-Future nach minus 73 Ticks bei 105,39 Punkten. Der Bobl-Future gab 46 Zähler auf 103,24 Punkte ab. Der Schatz-Future ermäßigte sich um 17 Ticks auf 101,55 Zähler. Die zehnjährige Bundesanleihe Juli 2010 notierte mit 100,35 nach 100,630 % zur Kasse. Sie rentierte auf diesem Niveau mit 5,20 (5,172) Prozent.

Belastend habe sich im gesamten Tagesverlauf der weiter nachgebende Euro ausgewirkt, hieß es im Handel. Die Gemeinschaftswährung wurde 16.20 Uhr MESZ mit 0,9456/59 $ gehandelt, nachdem die EZB am Mittag in Frankfurt der Referenzkurs mit 0,9470 $ ermittelt hatte. Händler sprachen von einem Stimmungsumschwung gegen den Euro, nachdem dieser in der letzten Woche nicht vermocht habe, den wichtigen Widerstand von 0,97 $ zu überwinden. Am Freitag hatte der Euro im späten New Yorker Handel seinen Rückzug begonnen und war dabei unter die Marke von 0,96 $ zurückgefallen.

Die EZB hat bei ihrem Ratstreffen am Mittwoch die Leitzinsen in der Euro-Zone erwartungsgemäß unverändert gelassen. Deshalb habe der Markt auch keine Reaktion gezeigt, erklärten Händler. Der Zinskorridor für den Euro-Geldmarkt bleibe bei 3,25 % für die Einlagenfazilität und 5,25 % für die Spitzenrefinanzierungsfazilität, teilte die EZB in Frankfurt im Anschluss an die Ratssitzung weiter mit. Gleichzeitig bestätigte die Notenbank den bereits angekündigten Wechsel vom Mengen- zum Zinstender bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften mit einem Mindestbietungssatz von 4,25 %.

Die Ungewißheit über das Ergebnis der Opec-konferenz in Wien sowie die ersten Daten zu den deutschen Lebenshaltungskosten aus Baden-Württemberg und Hessen schürten Händlern zufolge die Sorge vor einem Aufleben der Inflation. Im Mittelpunkt des Ministertreffens der der Opec steht die von den Verbraucherländern, vor allem den USA, geforderte Anhebung der täglichen Ölproduktion um bis zu 1,35 Mill. Barrel (1 Barrel = 159 Liter) täglich. Wahrscheinlich ist nach Ansicht von Branchenanalysten, dass sich die Opec-Länder auf eine Anhebung um 500 000 bis eine Million Barrel pro Tag einigen. Der saudiarabische Ölminister Ali el-Naimi sagte, eine genaue Zahl werde noch am Mittwoch vorliegen. Man rechne dennoch nicht unbedingt mit niedrigeren Ölpreisen, die dem Euro wegen ihrer positiven Wirkung auf die Konjunktur in der Euro-Zone nützen könnten, sagten Händler.

Die Preisdaten aus Baden-Württemberg sind nach Darstellung von Händlern wie befürchtet, wieder höher ausgefallen und haben die Marke von 2,0 % erneut überschritten. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hatte für die Kosten der Lebenshaltung aller privaten Haushalte in Baden-Württemberg im Juni ein Plus von 2,2 nach 1,8 % im Vormonat genannt. Das Statistische Landesamt Hessen ermittelte den Anstieg der Lebenshaltungskosten mit einer Jahresrate von 1,9 % im Juni nach 1,5 % im Vormonat.

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