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10.07.2000

17:26 Uhr

Wie populär eine Sportart ist, entscheiden nicht zuletzt die Medien. Das Fernsehen spielt dabei eine wichtige Rolle - für den Veranstalter, die Sponsoren und natürlich die Aktiven selbst. Der Westdeutsche Rundfunk - das fällt auf - setzt in letzter Zeit verstärkt auf Reitsport. Haben die öffentlich-rechtlichen Anstalten diese Sportart entdeckt, weil sie nicht zuletzt bei Fußball, Tennis oder Formel I - finanziell - nicht mehr mithalten können? Oder was ist das Motiv? Die Fragen gehen an Heribert Faßbender, den Sportchef des Westdeutschen Rundfunks.

Die großen Turniersportereignisse dieser Welt haben die Öffentlich-Rechtlichen immer mit großem Vergnügen und großem Sachverstand kommentiert. In Aachen waren und sind wir immer mit großem Aufwand vertreten. Allerdings hat sich ein neuer Trend in unseren dritten Programmen entwickelt, wo wir Event-Berichterstattung machen. In Aachen beginnen wir daher schon am Sonntag mit der Übertragung des Reitergottesdienstes im Dressurstadion. Ab Dienstag sind wir dann jeden Tag live dabei, ausschließlich im WDR-Fernsehen. Am Mittwoch, dem Ruhetag der Tour de France, gehen wir ins erste Programm. In den dritten Programmen wird der Turniersport außerordentlich gut angenommen. Und mit Carsten Soestmeier haben wir einen erstklassigen Kommentator, der bei den Zuschauern und Reitern sehr gut ankommt.

Springreiten kommt im Fernsehen ja ganz gut "rüber", Dressur dagegen fristet eher ein Außenseiterdasein. Wie könnte man gerade diesen ja sehr ästhetischen Sport populärer machen?

Springen lässt sich im Fernsehen sehr gut darstellen. Dressur ist wunderschön, aber schwieriger dem Publikum verständlich zu machen. Die Kür mit Musik ist ein Schritt in die richtige Richtung. In Nordrhein-Westfalen haben wir mit Isabell Werth und Nicole Uphoff zwei hervorragende Protagonistinnen, die das auch sehr gut erklären können. Isabell war darüber hinaus in Atlanta meine Ko-Kommentatorin bei der olympischen Schlussfeier. Wir wollen noch mehr in dieser Richtung unternehmen, stoßen dabei aber gelegentlich auch an Sendezeitgrenzen.

Der Fernsehvertrag mit der FN, der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, läuft im Jahre 2002 aus. Ist jetzt schon absehbar, dass sich ARD und ZDF um eine Verlängerung bemühen werden?

Wir sind sehr am Turniersport interessiert und werden uns sicherlich mit dem FN-Vorsitzenden Graf Landsberg-Velen und der FN einigen.

Welche Beziehung haben Sie persönlich zum Pferdesport?

Als junger Reporter habe ich bereits alle großen Turniersportplätze dieser Welt gesehen. 1976 habe ich beispielsweise den dramatischen Sieg von Alwin Schockemöhle in Bromont (Olympische Spiele in Kanada) bei Donner und Blitz kommentiert. Ludger Beerbaum und Franke Sloothaak sind heute, um diese beiden mal zu nennen, hervorragende Vertreter ihrer Sportart - richtige Sympathieträger, die das auch im Fernsehen rüber bringen.

Haben Sie denn selbst mal aktiv geritten?

Das habe ich leider nie, und das ist mit 59 jetzt vielleicht auch schon zu spät. Deswegen werde ich Reitsport auch nie im Fernsehen kommentieren, weil man da ein Pferdemann durch und durch sein muss. Gerne moderiere und präsentiere ich gelegentlich Reitsportsendungen und führe Interviews.

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