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19.01.2001

05:59 Uhr

NACHGEFRAGT: RONALD BEAUMONT

„Wir haben alle viel Geld verloren.“

Der frühere Wall Street-Liebling Worldcom ist bei Investoren in Ungnade gefallen. Was sagen Sie Ihren Anlegern, die viel Geld verloren haben? Wir haben bei Worldcom im vergangenen Jahr alle eine Menge Geld verloren. Worldcom war an der Wall Street

Der frühere Wall Street-Liebling Worldcom ist bei Investoren in Ungnade gefallen. Was sagen Sie Ihren Anlegern, die viel Geld verloren haben?

Wir haben bei Worldcom im vergangenen Jahr alle eine Menge Geld verloren. Worldcom war an der Wall Street beliebt, weil wir kontinuierlich starke Ergebnisse hatten. Zahlreiche Akquisitionen führten zu starken Wachstumsraten. Als die Fusion mit Sprint scheiterte wurde aber klar, dass Worldcom nicht länger große Akquisitionen tätigen konnte. Gleichzeitig gab es einen enormen Preisverfall bei Telefongesprächen. Da können sie im Datenbereich noch so gut sein, das können sie nicht ausgleichen. Trotzdem sind die fundamentalen Daten des Unternehmens gut. Die Abspaltung des Ferngespächsgeschäfts als eigene Geschäftsbereichsaktie wird den Blick der Investoren auf unser Unternehmen schärfen.

Ihr Vorstandschef Bernie Ebbers hat solche Abspaltungen als "Finanztricks" abgetan. Wieso jetzt dieser Meinungswechsel?

Zu einem gewissen Grad sind das schon Finanztricks. Aber es ist viel mehr als das. Es trägt auch dazu bei, dass sie die richtige Entscheidung für diese langsam wachsende Sparte treffen - die sie nicht treffen könnten, wenn sie ein Wachstumsunternehmen sein wollen.

Ist die Worldcom-Aktie derzeit fair bewertet?

Persönlich glaube ich, dass sie deutlich unterbewertet ist. Wenn wir erfüllen, was wir der Wall Street in Aussicht gestellt haben, dann dürfte sie wieder eine sehr gute Kursentwicklung haben. Es wird aber einige Quartale dauern.

Wird Worldcom angesichts des gesunkenen Aktienkurses nicht ein Übernahmekandidat?

Nein, Worldcom steht nicht zum Verkauf.

Nachdem die Übernahme von Sprint gescheitert ist und Gespräche mit anderen Mobilfunkfirmen wie Nextel nicht zum Erfolg führten, fehlt Ihnen eine große Mobilfunk-Sparte.

Wir haben derzeit noch keine komplette Mobilfunkstrategie. Wir besitzen einen Richtfunkanbieter für schnellen Internetzugang und halten einen Anteil an einer Firma, die mobilen Internetzugang anbietet. Ansonsten setzen wir auf Partnerschaften mit anderen Mobilfunk-Unternehmen.

Werden Sie in Zukunft einen Mobilfunkanbieter kaufen?

Wenn sich die richtige Gelegenheit ergibt, können wir uns das vorstellen. Möglicherweise ergibt sich die Gele-genheit, weil die Unternehmen, die die teuren Mobilfunk-Lizenzen in Europa ersteigert haben, sicherlich irgendwann finanzielle Hilfe brauchen. Keiner von denen wird bei den gezahlten Preisen Geld verdienen können.

Worldcom hatte bisher nie einen Chief Operating Officer als Nummer Zwei hinter CEO Bernie Ebbers. Signalisiert Ihre Ernennung eine mögliche Ebbers-Nachfolge?

Ich kann Bernies Gedanken nicht lesen.



Ronald Beaumont ist Chief Operation Officer von Worlcom. Die Fragen stellte Norbert Kuls.

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