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04.03.2003

12:21 Uhr

Nachgefragt zum Volkskongress in China

"Mehr Investitionen"

Der Vorsitzende der Deutschen Handelskammer in China über die politische Neuorientierung und die Auswirkungen für die Investoren,sowie die negativen Effekte der Irak-Krise auf die chinesische Konjunktur.

Was erwarten ausländische Investoren von diesem chinesischen Volkskongress?

Das Wichtigste für uns ist der Regierungswechsel mit dem scheidenden Premier Zhu Rongji, der für uns klar erkennbar ein Reformer war. Und gleichzeitig ein neuer Premier Wen Jiabao, der für uns noch ein großer Unbekannter ist. Er hatte bislang sehr schwierige Portfolios in der Regierung, das Finanzwesen und die Landwirtschaft.Daher kann man erwarten, dass er in die großen Fußstapfen von Zhu treten kann und das Land weiterhin reformieren wird. Dieser Führungswechsel hat für uns Ausländer eine starke Message: Die neue Führung will ein starkes China mit mehr ausländischen Investitionen.

Manche Beobachter sehen das chinesische Bankensystem vor dem Kollaps.

Wir sehen die Bankenkrise etwas weniger kritisch. Das Finanzministerium steht ja dahinter. Die großen Staatsbanken sind de facto bankrott mit einem Anteil fauler Kredite von 40 bis 50 %. Das kann man aber als Transformationskosten für den Wandel zur Marktwirtschaft sehen. Die faulen Kredite sind ein Sockel, den man über 10, 20 Jahre hinweg abschreiben kann. Die neue Regierung wird eine neue Aufsicht schaffen. Wir müssen warten, wie das umgesetzt wird.

Ist das Interesse deutscher Investoren anhaltend groß?

Das Interesse ist vor allem im Exportsektor enorm. Jedes Jahr haben wir Zuwachsraten von 20 bis 30 %. Jetzt sehen wir auch mehr Mittelstand. Nach Kammerumfragen sagt die Hälfte aller Mittelständler in China, dass sie vor dem Plan profitabel sind.

Welche negativen Effekte könnte ein Irak-Krieg auf die Volldampf-Konjunktur in China haben?

Der erste Effekt ist schon eingetreten. China muss etwa 20 % seines Ölverbrauchs importieren. Es leidet unter dem hohen Preis und hat keine strategischen Öl-Reserven. Ein längerer Krieg würde sich auch auf die wichtigen Endmärkte Chinas, die USA und Europa, auswirken. Man kann sagen, das Geschäft wird für die Firmen vielleicht um 2 bis 3 Prozentpunkte zurückgehen im Export. Aber es wird keine gravierenden Auswirkungen haben. China ist zuallererst noch ein Binnenmarkt.

Das Gespräch führte Markus Gärtner.

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