Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.01.2003

08:12 Uhr

Nachhaltige Geldanlagen

Öko-Fonds bergen unterschiedliche Risiken

VonMichael Ferber (Kathrin Quandt)

Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen. Das meinen wohl auch Anleger, denn in der Baisse steigt ihr Interesse an Anlagen mit dem Etikett "nachhaltig" - also ethisch und sozial verantwortlich - kontinuierlich an. Doch Anleger sollten die verschiedenen Angebote der Banken genau prüfen, bisweilen bergen sie ungeahnte Risiken.

FRANKFURT/M. Moral verkauft sich in der Krise offensichtlich gut. Denn ständig erweitern die Banken ihre Palette nachhaltiger Geldanlagen. Die neueste Entwicklung: Die Geldhäuser erweitern die bislang kleine Auswahl nachhaltiger Rentenfonds. In dieser Woche kam die Schweizer Bank Sarasin mit einem solchen Fonds an den Markt.

Zur Gruppe der Rentenfonds gehört auch der im Ein- und Dreijahresvergleich erfolgreichste Fonds, der SEB Invest ÖkoRent (s. Tabelle). Die Anlagepolitik erfolgt nach dem unter nachhaltigen Fonds weit verbreiteten "Best-of-Class"-Prinzip. Danach sind typischerweise Glücksspielfirmen, Rüstungskonzerne und Spirituosenhersteller ausgeschlossen. Bei anderen Branchen, die unter ökologischen und ethischen Gesichtspunkten Fragezeichen aufwerfen - wie etwa Chemie- oder Ölindustrie -, suchen die Fondsmanager den Klassenbesten in puncto Nachhaltigkeit aus. Sie begründen dies damit, dass anderenfalls eine einseitige Aktienauswahl das Risiko von Kursschwankungen hoch treiben würde.

Martin Hochstein, Fondsmanager des SEB Invest ÖkoRent, arbeitet bei der Auswahl der Rententitel mit der Ratingagentur Oekom Research zusammen, die von vornherein Hersteller alkoholischer Getränke und die Rüstungsindustrie ausschließt, bei den Chemieunternehmen aber den Branchenbesten für den SEB-Fonds aussucht.

Hochstein hat das Fondsvermögen zurzeit zu 60 Prozent in Anleihen aus dem Euroraum, zu 20 Prozent in Dollar-Bonds und zu knapp 10 Prozent in Yen-Anlagen investiert. Corporate Bonds machen über 53 Prozent des Depots aus, Staatsanleihen nur zwölf Prozent. Seine Einschätzung zum Irak-Konflikt: Falls sich eine recht schnelle Lösung abzeichnen sollte, sei an den Rentenmärkten eine Korrektur zu erwarten, weil der Sichere-Hafen- Aufschlag weichen dürfte. Vor allem mittlere Laufzeiten würden underperformen, weswegen er dann auf einen Mix aus Kurzläufern und auf Laufzeiten ab sieben Jahren setzen werde.

Die Rentenfonds buhlen in der Anlegergunst in Konkurrenz zu reinen Aktien und Mischfonds aus Aktien und Renten. Zur Gruppe der Aktienfonds zählt der gemessen an einem Rentenfonds riskantere Postbank-Dynamik-Vision. Fondsmanager Frank-Peter Hopp hat einerseits solide Werte wie Henkel im Depot, spekuliert aber andererseits auch mit Futures, konkret: mit Dax-Futures. Seine Begründung: Die Position sei nötig, um flexibel auf Marktveränderungen reagieren zu können, und die Transaktionskosten seien nicht so hoch wie beim Aktienkauf und-verkauf. Dabei birgt der Futures-Handel generell hohe Risiken, gibt es doch zum Beispiel an der Terminbörse Nachschusspflichten bei Verlusten.

Die dritte Kategorie der nachhaltigen Fonds sind die Mischfonds. Dazu zählt etwa der Sarasin-FairInvest- Universal-Fonds, der Angaben der Bank zufolge derzeit zu 75 Prozent auf Festverzinsliche im Euroraum und zu 25 Prozent in europäische Aktien investiert. Zu dieser Kategorie zählt auch der Swissca Portfolio Fund Green Invest Balanced; das Produkt der schweizerischen Investmentgesellschaft Swissca investiert momentan 43 Prozent seines Vermögens in Aktien und 41 Prozent in Anleihen. "Ausgeschlossen sind von vornherein Investitionen in Papiere von Waffen-, Tabak-, Kraftwerk - oder Autoherstellern, Fluggesellschaften oder Gentechnik-Produzenten", sagt Fondsmanagerin Alexandra Sieber. In einem weiteren Schritt suche das Managementteam Branchenführer und besonders innovative Firmen aus. Die letztlich ausgewählten Unternehmen würden regelmäßig überprüft, ob sie noch den ethischen Kriterien genügen. Momentan ist der Fonds bei den Aktien am stärksten in den Werten 3M, Bank of America, IBM und Gillette investiert.

Zu den Mischfonds gehört auch der "Prime Value Mix", der übrigens ein etwas anderes Auswahlverfahren als andere Geldhäuser zu bieten hat: Die schweizerische Vermögensverwaltung Dr. Höller sucht die Aktien und Anleihen für den Mischfonds Prime Value Mix zunächst nach finanzanalytischen Gesichtspunkten aus. Danach folgt ein so genannter "Ethikfilter". Das zehnköpfige Ethik-Komitee des Fonds schließt Unternehmen aus, welche ihrer Meinung nach die Menschenrechte missachten, Kinderarbeit zulassen, gefährliche Produkte herstellen oder militärische Güter und Nukleartechnologie herstellen.

Auch Investoren in ethische Fonds müssen sich vorab entscheiden, welches Risiko sie eingehen wollen: Das einer Aktien- oder einer Rentenanlage, oder ob sie mit einem Mischfonds einen Mittelweg gehen wollen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×