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02.04.2003

10:45 Uhr

Nachkriegsordnung in Vorbereitung

Pentagon will Irak-Übergangsregierung mit Hardlinern besetzen

Die Mitglieder der künftigen Verwaltung des Landes befinden sich offenbar bereits in Kuwait.

law/HB DÜSSELDORF. Die US-Regierung bereitet in Kuwait in aller Stille bereits eine neue Verwaltung für den Irak vor. Sie soll nach einem Sturz Saddam Husseins das Land wieder aufbauen. Laut amerikanischen und britischen Medienberichten soll die künftige Führung aus 23 von US-Bürgern geleiteten Ministerien bestehen. Einige Mitglieder dieser Schattenregierung seien bereits in Kuwait, berichtet die britische Tageszeitung "The Guardian" ohne nähere Angabe von Quellen.

Die personelle Besetzung der Übergangsregierung habe jedoch zu einem massiven Streit zwischen Pentagon und US-Außenministerium geführt, berichtet die "New York Times" aus Regierungskreisen. Die Pläne des Pentagons sähen vor, dass die künftige Verwaltung die Macht im Irak "Stadt für Stadt" übernehme. Die vom Oberbefehlshaber der US-Truppen in der Golfregion, General Tommy Franks, für "befreit" erklärten Gebiete sollten unter die Kontrolle der neuen Regierung unter Führung des US-Generals Jay Garner kommen.

Garner war bereits zuvor vom Pentagon zum Chef des "Büros für Wiederaufbau und humanitäre Hilfe" ernannt worden. Zu den Führungskräften sollen auch der frühere CIA-Chef James Woolsey und weitere Hardliner aus dem Lager von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gehören.

Mit dieser Auswahl hätten sich Rumsfeld und sein Vize Paul Wolfowitz über eine Empfehlungsliste des Außenministeriums als auch über Wünsche des designierten "Regierungschefs" Garner hinweggesetzt, so die "New York Times". Dies werde in der Regierung als Versuch des Pentagons gewertet, alle Aspekte des wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbaus des Iraks in der Hand zu halten.

Dem "Guardian" zufolge sollen jedem der 23 Minister vier irakische Berater zur Seite gestellt werden. Unter ihnen soll auch der Chef der oppositionellen Partei Irakischer Nationalkongress, Ahmed Chalabi, sein. Der aus einer reichen irakischen Bankiersfamilie stammende 57-Jährige hat gute Verbindungen vor allem zu den "Falken" in der US-Regierung.

Die weitgehenden Planungen für den Irak nach dem Krieg stoßen auch in Großbritannien auf Widerstand. Zwar unterstützt Premier Tony Blair den Krieg auch militärisch, doch drängt er darauf, den Wiederaufbau in die Hände der Uno zu legen.

Eine mögliche Kooperation mit der EU und der Nato beim Wiederaufbau will US-Außenminister Colin Powell am Donnerstag mit seinen Amtskollegen bei einem überraschend einberufenen inoffiziellen Gipfeltreffen beraten.

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