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09.01.2002

15:19 Uhr

Nächste Finanzkrise in der DEL

Moskitos Essen stellen Insolvenzantrag

Neues Jahr, alte Probleme: Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) sorgt erneut durch die Finanzkrisen seiner Clubs für Schlagzeilen. Die Moskitos Essen haben am Mittwoch beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag gestellt. Mit dieser Maßnahme hoffen die Club-Verantwortlichen, den Spielbetrieb auch künftig aufrecht zu erhalten.

dpa MÜNCHEN/ESSEN. "Wir versuchen, die Saison zu Ende zu spielen - wie auch immer", sagte der Essener Präsident Thomas Schiemann. "Ich sehe gute Chancen, dass die Gesellschaft gerettet werden kann." Etwa eine halbe Million Euro fehlen den Moskitos dem Vernehmen nach.

Das Amtsgericht genehmigte den Antrag. Nun führt ein Insolvenzverwalter die Geschäfte der Moskitos. Die Essener sind im noch jungen Jahr 2002 bereits der zweite DEL-Club, der durch Finanzprobleme auffällig wurde. Zuletzt konnten die Berlin Capitals die Dezember-Gehälter für ihre Profis nicht bezahlen, Chef Egon Banghard versprach die Zahlung bis Mitte Januar und drohte zudem mit Rücktritt.

Der Grund der Essener für den Gang zum Amtsgericht war die Sorge um die Januar-Gehälter, die der Club sonst nicht hätte bezahlen können. Durch das Insolvenzverfahren werden die Verbindlichkeiten vorerst "eingefroren". Auslöser der Essener Probleme war der Verlust des Hauptsponsors im Sommer.

Unterdessen gibt es in Köln und Kassel große sportliche Schwierigkeiten. Die Kölner Haie verlieren nach einer "schwarzen Serie" gegen die Adler Mannheim nicht nur ihr Saisonziel aus den Augen, sondern sie gefährden allmählich auch die Liebe der größten Fangemeinde in der DEL. Das 2:3 nach Penaltyschießen am Dienstagabend war die vierte Schlappe des siebenmaligen deutschen Meisters gegen die Mannheimer im vierten Saisonspiel und bereits die zehnte Heimniederlage in der Kölnarena. Der Besucher-Schnitt beim Zuschauer- Krösus sinkt, der ersehnte vierte Platz ist in Gefahr. "Es ärgert mich, dass wir wieder verloren haben", kommentierte Trainer Lance Nethery die Niederlage.

Besonders die Bilanz des Trainers gegen Mannheim ist miserabel. Alle zehn Spiele mit Nethery verloren die Haie gegen den aktuellen Meister. Selbst der Auftritt des Kölner Karneval-"Dreigestirns" in der Drittelpause brachte keinen Erfolg. Allmählich macht sich in der von eigentlich langmütigen Fans geprägten Eishockey-Hochburg Köln die Erkenntnis breit, dass die Mannschaft nicht gut genug ist, um die von ihr erwartete Rolle zu spielen. Nach den zwei Niederlagen gegen Mannheim innerhalb von zwei Tagen belegen die Haie Platz sechs, offizielles Ziel ist wegen des Heimrechts im Playoff-Viertelfinale jedoch der vierte Rang. Noch ist der Zuschauer-Schnitt bei knapp 11 000 in Köln, gegen Mannheim kamen jedoch mit 8715 bereits ungewöhnlich wenig Besucher.

Den Kassel Huskies droht die Gefahr, die Playoff-Teilnahme zu verspielen. Nach der 2:6-Schlappe am Dienstagabend, der zweiten Niederlage im Hessen-Derby gegen die Frankfurt Lions innerhalb von 48 Stunden, muss sich Bundestrainer Hans Zach um seine Mannschaft sorgen, zumal der Tabellen-Achte in nur drei Spielen im neuen Jahr schon mehr Gegentore kassiert hat als in den zehn im gesamten Dezember. Durch die Weihnachtspause sei das Team aus dem Rhythmus gekommen, vermutet Zach, der noch ein zweites Dilemma ausgemacht hat: "Die Spieler holen in jedem Spiel genug Torchancen heraus. Aber sie treffen einfach die Kiste nicht."

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