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07.02.2001

17:38 Uhr

Nächtliches Verhör

Sirven schweigt weiter

Exmanager Alfred Sirven schweigt sich auch nach seiner Auslieferung aus Deutschland weiter über die Elf-Schmiergeldaffäre aus.

ap PARIS. Exmanager Alfred Sirven schweigt sich auch nach seiner Auslieferung aus Deutschland weiter über die Elf-Schmiergeldaffäre aus. Bei seiner Vorführung im Prozess gegen den ehemaligen französischen Außenminister Roland Dumas äußerte sich der Mitangeklagte nicht zu den Vorwürfen und erklärte sich lediglich grundsätzlich zur Aussage bereit: "Ich bin da, um Fragen zu beantworten." Das Verfahren wurde bis zum 12. März unterbrochen.

Auch in stundenlangen nächtlichen Vernehmungen durch drei französische Untersuchungsrichter unmittelbar nach seiner Überstellung aus Frankfurt hatte sich der 74-Jährige in der Sache wenig kooperativ gezeigt, wie Justizministerin Marylise Lebranchu sagte.

Die Zeitung "Le Parisien" veröffentlichte auf ihrer Internetseite Auszüge aus dem Adressbuch Sirvens. Darin befindet sich nach Angaben des Blattes auch die Telefonnummer des Elf-Lobbyisten Dieter Holzer, der beim Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie einen zweistelligen Millionenbetrag erhalten hat.

Dumas-Prozess vertagt

Der Dumas-Prozess wurde wie erwartet um vier Wochen vertagt. Der 74-Jährige, der sich wegen Veruntreuung von Firmengeldern verantworten muss, solle sich auf seine Verteidigung vorbereiten können, sagte die Vorsitzende der 11. Pariser Strafkammer, Sophie Portier. Der mit Spannung erwartete erste öffentliche Auftritt des mehr als drei Jahre lang flüchtigen Sirven in Frankreich dauerte nur knapp eine drei viertel Stunde. Portier nahm seine Personalien auf und wies den Antrag von Sirvens Anwalt Jean-Pierre Gastaud zurück, den Exmanager auf freien Fuß zu setzen.

Staatsanwalt Jean-Pierre Champrenault erklärte sich ebenfalls mit der Unterbrechung des Prozesses einverstanden. Die Mitangeklagten hätten ja auf dem Abwesenden "alle Sünden dieser Welt" abgeladen, sagte er.

Die Anwälte Sirvens kündigten eine Klage an, weil persönliche Sachen aus den Häusern seines Mandanten auf den Philippinen verschwunden seien. Zudem äußerten sie sich empört über die Behandlung Sirvens unmittelbar nach seiner Ankunft aus Frankfurt. Das nächtliche Verhör sei angesichts des hohen Alters Sirvens unwürdig und zudem völlig unnötig gewesen.

Der 74-Jährige wurde erst nach drei Uhr in seine Zelle im Gefängnis La Sante gebracht. Der Exmanager, der als Schlüsselfigur in der Elf-Affäre gilt, war am Dienstagabend mit einer Regierungsmaschine aus Frankfurt ausgeflogen worden. Schwer bewacht wurde Sirven er in den Justizpalast gefahren: Der Konvoi von acht Wagen und 14 Polizeimotorrädern jagte mit Blaulicht und Sirenen durch Paris, die großen Kreuzungen wurden vorübergehend für den normalen Verkehr gesperrt.



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