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28.01.2001

17:29 Uhr

Nahezu stündlich steigt die Zahl der Opfer

Erdbebenkatastrophe in Indien mit verheerenden Ausmaßen

Am Wochenende wurde die Zahl der Toten auf bis zu 30 000 geschätzt. Nach offiziellen Angaben wurden über 6 000 Leichen geborgen. Die Zahl der Vermissten stieg auf 125 000. Überraschend bargen Helfer noch 8 Überlebende aus den Trümmern.

ap BHUJ/INDIEN. Nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe im Westen Indiens zeichnete sich am Wochenende mit nahezu stündlich steigenden Opferzahlen erst allmählich das ganze Ausmaß des Schreckens ab. Die Schätzungen über die Zahl der Toten des Bebens vom Freitag gingen von 10 000 bis zu über 30 000. Nach offiziellen Angaben wurden bis Sonntag mindestens 6 072 Leichen geborgen. Die Zahl der Vermissten wurde mit 125 000 angegeben. Überraschend bargen Helfer auch noch acht Überlebende aus den Trümmern, darunter ein 18 Monate altes Mädchen.

Das Mädchen wurde am Sonntagnachmittag in Bhuj lebend aus den Trümmern gerettet. Es wurde mit schwachem Herzschlag in ein Krankenhaus gebracht. Die Mutter des Kindes starb, bevor die Rettungskräfte zu ihr vordringen konnten. Mit Hilfe von Schweizer Spürhunden wurden in Ahmedabad ein Junge und seine Mutter geborgen. In Anjar, 50 Kilometer südöstlich von Bhuj, wurden ein dreijähriges Mädchen und ein 50 Jahre alter Mann unversehrt gefunden. Bereits am Samstag waren in Bhuj zwei Männer und ein Mädchen gerettet worden.

Allein in der am schwersten betroffenen Stadt Bhuj im Unionsstaat Gujarat seien zwischen 20 000 und 30 000 Menschen ums Leben gekommen, sagte Feuerwehrchef K.N. Mahure. Der Innenminister von Gujarat, Haren Pandya, sprach dagegen von insgesamt rund 10 000 Toten. Rund 35 000 Menschen wurden bei dem Beben der Stärke 7,9 am Freitag verletzt.

Am Sonntagmorgen erschütterte ein Nachbeben die Region, richtete jedoch offenbar keine Schäden an. Das Beben hatte nach Angaben von Seismologen eine Stärke von 6,0. In Bhuj nahe des Epizentrums liefen zahlreiche Bewohner in Panik auf die Straße.

Internationale Hilfsmaßnahmen angelaufen

Wegen des Unglücks sagte die indische Regierung am Sonntag eine für Montagabend geplante traditionelle Militärparade ab. Die Parade findet nur alle drei Jahre statt und beendet die Feiern zum indischen Nationalfeiertag, der am Freitag begonnen hatte.

Am Wochenende liefen die internationalen Hilfsmaßnahmen an. Im Auftrag von Bundesinnenminister Otto Schily trafen 27 Helfer des Technischen Hilfswerkes am Sonntag im Erdbebengebiet ein. Auch andere Länder, darunter die USA, Kanada, Norwegen, Taiwan und Japan, boten ihre Hilfe an. In Bhuj landeten alle zehn Minuten Hilfsflugzeuge. Russland sandte ein Transportflugzeug mit 71 Einsatzkräften sowie Suchhunden und medizinischer Ausrüstung. Großbritannien schickte 69 Helfer in die Krisenregion.

Auch die UN kündigten die Entsendung eines Krisenteams an. Die Europäische Union stellte 3,3 Mill. Euro (6,4 Mill. DM) bereit. Wie das EU-Büro für humanitäre Hilfe (ECHO) mitteilte, sollen für das Geld Trinkwasser, Medikamente und Decken gekauft werden. Auch Japan stellte eine Soforthilfe von knapp einer Mill. Dollar bereit, wie das Außenministerium in Tokio am Sonntag mitteilte.

Pandya erklärte, der Bedarf an Hilfsgütern sei noch längst nicht gedeckt. Die Behörden benötigten noch zahlreiche Kräne, Fahrzeuge, Decken und Medikamente. Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee bat die indische Bevölkerung um Spenden für die Opfer.

Das Beben war das stärkste in Indien seit 1950. Damals kamen im nordöstlichen Staat Assam bei einem Erdstoß der Stärke 8,5 mehr als 1 500 Menschen ums Leben.

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