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04.01.2002

20:01 Uhr

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Nahost-Vermittler Zinni ist zuversichtlich

Ungeachtet neuer schwerer Zwischenfälle hat sich der amerikanische Nahost-Vermittler Anthony Zinni zu Beginn seines zweiten Anlaufs zur Sicherung einer Waffenruhe zwischen Palästinensern und Israelis zuversichtlich geäußert.

dpa JERUSALEM/RAMALLAH. "Die Bedingungen sind günstig, um Fortschritte zu machen", sagte Zinni am Freitag nach einem Gespräch mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat. Wenige Stunden zuvor hatte die israelische Armee einen palästinensischen Polizisten bei Nablus im Westjordanland erschossen. Die Bemühungen Zinnis wurden am Freitag auch von einer Mitteilung der israelischen Streitkräfte überschattet, wonach im Roten Meer ein Schiff mit Waffen für die Palästinenser gestoppt worden sei.

Zinni sagte nach Unterredungen mit Arafat und dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, er sei bezüglich einer stabilen Waffenruhe "optimistisch" und "hoffnungsvoll". Arafat erklärte in Ramallah, er wolle "mit 100 % Einsatz" dazu beitragen, dass die zweite Nahost-Mission Zinnis ein Erfolg werde. Palästinenser und Israelis gaben ihre Zusage für ein von Zinni geplantes Treffen ranghoher Sicherheitsvertreter beider Seiten am Sonntag.

Scharon forderte im Gespräch mit dem ehemaligen US-General, die USA und die EU sollten mehr Druck auf Arafat ausüben, damit dieser stärker gegen palästinensische Extremisten vorgehe. Arafat müsse eine "strategische Entscheidung gegen Terror" treffen, forderte Scharon zusammen mit Außenminister Schimon Peres und Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser bei dem Treffen auf Scharons Farm in der Negev-Wüste. Zinni versuchte dabei nach israelischen Medienberichten nicht, Scharon von seiner Forderung nach einer vollständigen siebentägigen Waffenruhe als Voraussetzung für die Verwirklichung des Tenet-Plans für eine stabile Waffenruhe abzubringen.

Wenige Stunden vor dem Treffen drang die israelische Armee auf der Suche nach palästinensischen Extremisten mit Panzern in das Dorf Tel bei Nablus in Autonomiegebiet ein. Bei einem Feuergefecht wurde nach palästinensischen Angaben ein 21-jähriger palästinensischer Polizist erschossen. Nach israelischen Angaben handelte es sich jedoch um ein Mitglied der radikalen Hamas-Organisation, die in dem Dorf einen Anschlag auf israelische Siedler vorbereitet haben soll. Mindestens zwei Palästinenser wurden festgenommen, Tel blieb auch am Abend abgeriegelt. Arafat-Berater Nabil Abu Rudeineh verurteilte die Militäraktion als "Versuch, die Vermittlungsbemühungen Zinnis zum Scheitern zu bringen".

Mit dem Aufspüren des Schiffes mit 50 Tonnen Waffen im Roten Meer gelang Israel nach eigenen Angaben der bisher größte Schlag gegen den Waffenschmuggel in die Palästinensergebiete. Es gebe keinen Zweifel, dass die Autonomiebehörde damit zu tun habe, sagte Generalstabschef Schaul Mofas. An Bord des Schiffs seien in der Nacht zu Donnerstag unter anderem Katjuscha-Raketen mit einer Reichweite von bis zu 20 Kilometern sowie Hand- und Mörsergranaten entdeckt worden, die zum größten Teil aus Iran stammten, sagte Mofas. Die israelische Marine und Luftwaffe brachten das Schiff "Karine A" 500 Kilometer vor der israelischen Südküste auf. Der palästinensische Kommunalminister Sajeb Erekat bezeichnete die Darstellung als israelische Propaganda. Der Vorfall werde aber untersucht.

Zinni war am Donnerstag zu seiner zweiten Nahost-Mission in Israel eingetroffen. Seine erste Nahost-Reise hatte er Mitte Dezember auf dem Höhepunkt neuer Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern nach rund drei Wochen abgebrochen. Am Samstag will er mit Vertretern der Autonomiebehörde zusammenkommen, für Sonntag ist ein Gespräch mit dem israelischen Staatspräsidenten Mosche Katzav geplant.

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