Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.07.2000

20:35 Uhr

ap Thurmont. US-Präsident Bill Clinton hat in einer ersten offiziellen Stellungnahme zum Verlauf des Nahostgipfels in Camp David die Verhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern als die schwersten in seiner Amtszeit bezeichnet. Es habe einige Fortschritte gegeben, doch sei noch völlig offen, ob die Gespräche erfolgreich abgeschlossen würden, erklärte Clinton in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Zeitung `New York Daily News". Dennoch hoffe er weiter auf ein Abkommen. Die Gespräche auf dem Landsitz des amerikanischen Präsidenten wurden unterdessen unter wachsendem Zeitdruck fortgesetzt.

Politiker stehen unter Druck ihrer Heimatländer

Zu Beginn des siebten Verhandlungstages traf sich Clinton am Montag zunächst mit seinen Beratern. Später stand ein weiteres Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak auf dem Programm. Auch am Sonntag hatte Clinton mit Barak sowie dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat konferiert. Ein gemeinsames Abendessen aller Delegationen gab es im Gegensatz zur bisherigen Praxis nicht. Die Delegationen berieten jedoch ohne ihre Verhandlungsführer bis in die Nacht. Die Vermittlungen seien schwieriger als die in Nordirland, auf dem Balkan oder vorangegangene Gespräche im Nahen Osten, erklärte der US-Präsident in dem Zeitungsinterview. Besorgnis erregend sei, dass Politiker beider Seiten nach einem Friedensabkommen in der Heimat mit Kritik rechnen müssten, sagte er nach einem vom Weißen Haus verbreiteten Redemanuskript. Die Politiker bemühten sich jedoch um einen Friedensschluss. `Es ist das schwerste, was ich je gesehen habe", erklärte er. Auf die Frage der `Daily News", ob Clinton wie geplant am Mittwoch zum G-8-Gipfel nach Japan reisen werde, antwortete der US-Präsident: `Ich hoffe es. Ich werde mein Bestes tun, hier zu einem Abschluss zu kommen." Die palästinensische Delegation signalisierte unterdessen Bereitschaft, falls nötig länger in Camp David zu bleiben. `Sollte die amerikanische Seite entscheiden, die Gespräche zu verlängern, würden wir das wohl nicht ablehnen", sagte der Gesandte der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Washington, Hassan Abdel Rahman. Palästinensische Quellen meldeten am Sonntag Fortschritte bei den Verhandlungen, während ranghohe israelische Vertreter noch keinen Durchbruch sahen. Wie der israelische Parlamentspräsident Avraham Burg am Montag nach einem Telefonat mit Barak mitteilte, hält es Barak für unwahrscheinlich, dass bis Mittwoch eine Einigung erzielt werden könne. Zu den strittigsten Fragen gehören der Status von Jerusalem, die Grenzen eines künftigen Staates Palästina und das Schicksal von mehr als zwei Millionen palästinensischen Flüchtlingen.

DFLP kündigt Rückzug aus Arafats Delegation an

(Damaskus) Die palästinensische Gruppe Demokratische Front für die Befreiung Palästinas (DFLP) kündigte unterdessen am Montag ihren Rückzug aus Arafats Verhandlungsdelegation in Camp David an. In einer in Damaskus veröffentlichten Erklärung wirft die DFLP den USA vor, unfairen Druck auf Arafat auszuüben. Arafat selbst wurde von der DFLP aufgefordert, die Gespräche abzubrechen. Er hatte die DFLP zur Mitarbeit in seiner Verhandlungsdelegation eingeladen, um seine Basis bei den verschiedenen palästinensischen Gruppen zu verbreitern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×